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BERNER TAGESZEITUNG "DER BUND": JAHRGÄNGE 1850-1994 DIGITALISIERT UND ALS VOLLTEXT ZUGÄNGLICH

BERNER TAGESZEITUNG "DER BUND": JAHRGÄNGE 1850-1994 DIGITALISIERT UND ALS VOLLTEXT ZUGÄNGLICH

18.12.2020 Eine der wichtigsten Zeitungen der Schweiz ist neu bis ins Jahr 1850 zurück digital zugänglich. Rund 800'000 Seiten von "Der Bund" können online gelesen, angeschaut und im Volltext durchsucht werden. Der Verein Zeitungsdigitalisierung im Kanton Bern hat die historischen Ausgaben in Zusammenarbeit mit der Universitätsbibliothek Bern, der Schweizerischen Nationalbibliothek und der Espace Media AG digitalisiert.


Bild oben: Ein Mitarbeiter der Firma Assy SA in Ecublens blättert in einer Ausgabe des "Bund" bevor sie gescannt wird - Foto: © Adrian Moser, Tamedia

"Der Bund" gehört seit 1850 zu den wichtigsten Tageszeitungen in der Stadt Bern; gegründet vom Verleger Franz Louis Jent (1810-1867), der die Schwerpunkte der Berichterstattung auf nationale Themen legte. Der Titel war dabei Programm, um den 1848 gegründeten Bundesstaat aus Sicht der Hauptstadt gegen konservative Kräfte zu unterstützen.

Die Zeitung war freisinnig-liberal ausgerichtet, seit 1958 bezeichnet sie sich als "unabhängige liberale Tageszeitung". Ab 1925 nahm sie mit dem Sportteil und einer Frauenseite neue Themen in die Berichterstattung auf. Durch die Fusion anderer Zeitungen im Kanton Bern zur "Berner Zeitung BZ" 1979 und mit der Wirtschaftskrise um 1990 geriet der "Bund" in wirtschaftliche Schwierigkeiten. Die Verlegerfamilie verkaufte die Aktienmehrheit 1992 an Medienkonzerne; damit ging die Ära des "Bund" als Familienunternehmen zu Ende.

Die Zeitung erschien 1850-1965 an sieben Tagen pro Woche, seither an sechs Tagen. 1890-1967 gab es jeweils eine Morgen- und eine Abendausgabe. 1920-2009 lag der Zeitung am Wochenende "Der kleine Bund" als Kulturteil bei. 1951 modernisierte der "Bund" die Druckschrift und wechselte von der Frakturschrift zu einer besser lesbaren lateinischen Schrift (Antiqua). Zudem veränderte sich das Erscheinungsbild ab den 1950er-Jahren mit der Verwendung grösserer Titel, mehr Fotografien und Karikaturen.

Fundgrube für die Berner Geschichte

"Die Zeitungen sind eine Fundgrube für die Geschichte der Stadt Bern im 19. und 20. Jahrhundert und eine wichtige Quelle für die Geschichte der Schweiz. Die frei zugänglichen und digitalisierten Zeitungen sind ein wichtiges Werkzeug für die historische Forschung", hält Christian Lüthi, selbst Historiker, Vizedirektor der Universitätsbibliothek und Leiter des Projekts Zeitungsdigitalisierungen, fest. So umfasst die Zeitung neben der Berichterstattung über die aktuellen Ereignisse aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur auch Inserate und Leserbriefe, die einen Einblick in den Berner Alltag geben. Hier einige Beispiele:

Am Sonntag, 2. August 1914, erschien unter dem Titel "Aufregung in der Bundesstadt" ein Bericht zum Run auf die Volksbank und die Spar- und Leihkasse. Es herrschte ein grosses Gedränge, da mehrere hundert Leute ihr Geld bei diesen Banken abheben wollten. Am Tag zuvor hatte der Bundesrat die Kriegsmobilmachung verordnet. Aus Angst vor dem Krieg wollten die Leute das Geld in bar und nicht mehr als Bankguthaben aufbewahren. Die Banken mussten wegen des Andrangs schliessen.

Die Nachricht, dass die Young Boys am 9. Mai 1920 das Finalspiel um die Schweizer Meisterschaft gewonnen hatten, wurde bloss auf fünf Zeilen mit einem kurzen Matchbericht abgehandelt (10.5.1920, Seite 4). Hundert Jahre später füllt eine Meisterfeier des populärsten Sportclubs in der Stadt die halbe Zeitung.

Im Inserateteil der Zeitung stösst man auf bekannte Berner Firmen, die ihre Produkte anpriesen. So lancierte das Warenhaus Kaiser an der Marktgasse im Dezember 1925 Werbung für seine Wintermode und Skiausrüstungen (1.12.1925, Nr. 511, Seite 7; 9.12.1925, Nr. 525, Seite 6).

Am 25. November 1954 traf der abessinische Kaiser Haile Selassie (1992-1975) mit einem Extrazug von Basel in Hindelbank ein. Dort stieg er mit seiner Begleitung aus dem Zug. Ein Kinderpaar in Berner Tracht  überreichte ihm einen Blumenstrauss und einen "Bärenmutz". Danach wurde er mit einer Landauerkutsche und begleitet von der Kavallieriebereitermusik zum Schloss Jegenstorf gefahren, wo er untergebracht war. Am Nachmittag fuhr ein Tross von Kutschen in die Altstadt von Bern, wo über 100'000 Schaulustige den Kaiser begeistert begrüssten.  (26.11.1954, Morgenausgabe, S. 5; Abendausgabe, S. 1-2).

In der Morgenausgabe des 18. Februar 1958 erschien das Programm der Trauerfeier zu Ehren von Stadtpräsident Otto Steiger, der im Amt an einem Herzinfarkt gestorben war. Der Sarg wurde nach der kirchlichen Feier in der Heiliggeistkirche von einem Autokonvoi zum Krematorium im Bremgartenfriedhof gefahren. In sechs Gruppen fuhren Vertreter von Polizei und Feuerwehr, der Stadt-, Kantons- und Bundesbehörden, der Burgergemeinde, Nachbargemeinden, anderer Städte des Kantons Bern und der übrigen Schweiz sowie aller Kommissionen, in denen Steiger mitwirkte. Die Strassen waren gesäumt von parkierten Autos und Einwohnerinnen und Einwohnern der Stadt.

Weitere 1,5 Millionen Seiten

Die 800'000 Seiten stehen nun zur digitalen Wiederentdeckung bereit. Zusammen mit der "Gazette de Berne" 1689-1798 und dem "Intelligenzblatt für die Stadt Bern", das 1834 bis 1922 erschien, und den Thuner Zeitungen 1838-1999 liegt bereits eine Serie von digitalisierten Berner Zeitungen vor, die sich über drei Jahrhunderte erstreckt. Der Verein Zeitungsdigitalisierung im Kanton Bern ist daran, mit zahlreichen Geldgebern weitere 1,5 Millionen Zeitungsseiten aus dem Kanton Bern zu digitalisieren. Dazu zählen die "Berner Tagwacht" 1893-1997, die Bieler Zeitungen 1850-1995, das "Journal du Jura" 1871-1995 sowie die Burgdorfer Zeitungen 1831-2004. Bis 2022 sollen alle diese Zeitungen auf der nationalen Plattform e-newspaperarchives.ch öffentlich und frei zugänglich sein.

Links:

www.e-newspaperarchives.ch

www.digibern.ch

Kontakt:

Christian Lüthi, Vizedirektor und Verantwortlicher für DigiBern, Universitätsbibliothek Bern

E-Mail: christian.luethi@ub.unibe.ch

Digitalisierungen der Universitätsbibliothek Bern  

Die Universitätsbibliothek Bern digitalisiert seit 2002 ausgewählte Drucke aus den eigenen Beständen und stellt sie online ohne Zugangsbarrieren zur Verfügung. Die meisten Digitalisate sind Bernensia. Dies gehört zum Auftrag der Universitätsbibliothek Bern als Kantonsbibliothek und verhindert, dass Publikationen weltweit doppelt digitalisiert werden.

Die digitalen Daten sind auf DigiBern zugänglich oder auf den nationalen Plattformen E-Rara und E-Periodica. Seit 2016 wird auch die Sammlung Rossica Europeana der Schweizerischen Osteuropabibliothek digitalisiert.  

Die Universitätsbibliothek Bern baut dieses digitale Angebot laufend aus. Seit 2017 werden in einem mehrjährigen Projekt gemeinsam mit dem Verein Zeitungsdigitalisierung im Kanton Bern und mit Zeitungsverlagen rund drei Millionen Zeitungsseiten aus den Städten Bern, Biel und Thun sowie aus dem Berner Jura digitalisiert und auf der Plattform e-newspaperarchives.ch als Volltext zugänglich gemacht werden.

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der bund

Bild: Die Ausgabe "Der Bund" vom 19. Dezember 1850 ist nun zusammen mit allen Ausgaben bis Ende 1994 online frei verfügbar - Foto: zVg und Raw Pixel        







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