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JAHRBUCH "QUALITÄT DER MEDIEN – SCHWEIZ SUISSE SVIZZERA" 2018: "REDAKTIONELLE KOOPERATIONEN BEDROHEN DIE PUBLIZISTISCHE VIELFALT"

JAHRBUCH "QUALITÄT DER MEDIEN – SCHWEIZ SUISSE SVIZZERA" 2018: "REDAKTIONELLE KOOPERATIONEN BEDROHEN DIE PUBLIZISTISCHE VIELFALT"

22.10.2018 Das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich schreibt zu seinem aktuellen Jahrbuch: "Redaktionelle Verbundsysteme haben in der Schweiz in jüngster Zeit stark an Bedeutung gewonnen. Dadurch wird der publizistische Wettbewerb als unverzichtbare Voraussetzung für Qualität eingeschränkt. Denn immer öfter werden dieselben Inhalte verbreitet. Das zeigt ein automatisierter Textvergleich der Schweizer Medienberichterstattung. Im demokratiepolitisch sensitiven Bereich der nationalen Politikberichterstattung erscheinen bereits 54% der Beiträge in mindestens zwei Zeitungen gleichzeitig."


Bild: © https://www.qualitaet-der-medien.ch/downloads

Der automatisierte Vergleich mittels Jaccard-Koeffizient belegt, dass die Anteile geteilter Beiträge zwischen Medien aus dem gleichen Verbund sehr hoch sind. Der "Tages-Anzeiger", "Der Bund" und die "Berner Zeitung" zählen seit diesem Jahr zur neu geschaffenen Deutschschweizer Zentralredaktion der Tamedia. Nach Einführung der Kooperation stiegen die Anteile geteilter redaktioneller Beiträge in diesen drei Zeitungen um 17 Prozentpunkte auf aktuell 55%.

Innerhalb von meinungsbetonten Formaten wie Leitartikeln oder Kommentaren sind die Anteilswerte an identischer Berichterstattung sogar von 40% auf ganze 68% gestiegen.

Damit werden vor Urnengängen vermehrt dieselben Abstimmungs- oder Wahlempfehlungen abgegeben, was aus demokratiepolitischer Sicht problematisch ist. Redaktionelle Verbundsysteme fördern eine gleichförmige Themen- und Perspektivensetzung in der Medienarena. Die Gefahr publizistischer Fehlleistungen steigt, weil die Kontrollfunktion zwischen den Medien geschwächt wird. Zu diesen und weiteren Befunden kommt das fög - Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Universität Zürich in seiner neunten Ausgabe des Jahrbuchs Qualität der Medien.

Berichterstattungsqualität trotz Vielfaltsverlust noch hoch

Über die 66 untersuchten Informationsmedien betrachtet, bleibt die Berichterstattungsqualität in der Schweiz hoch. Im Untersuchungsjahr 2017 erzielen die 35 Titel zwischen 6,1 und 8,3 von maximal 10 Qualitätspunkten. Die neu erfasste "Wochenzeitung (WoZ)" schafft es auf Anhieb auf den vierten Platz des Gesamtrankings und egalisiert den Score der "NZZ". Rund ein Drittel aller Medien kann die Qualität im Vorjahresvergleich aber nicht halten. Einbussen zeigen sich in der Vielfaltsdimension, aber auch bei der Einordnungsleistung. Der Ressourcenabbau in der Schweizer Informationspublizistik zeigt Wirkung.

Personeller Braindrain im Journalismus und Zuwachs im PR-Sektor

Die wachsende Ertragsschwäche im Informationsjournalismus hat zur Folge, dass die Anzahl Medienschaffender im Newssektor laufend abnimmt. Zwischen 2011 und 2016 gingen im Bereich Online- und Pressemedien 3'000 Stellen verloren (-19%). Im selben Zeitraum hat die Beschäftigtenzahl im PR-Sektor um 16% zugenommen. Auch die Anzahl selbständiger Journalistinnen und Journalisten ist seit 2011 um 20% gestiegen. Die prekäre Finanzierungslage im Informationsjournalismus fördert eine Tendenz, wonach immer mehr Journalisten entweder «die Seite wechseln», d.h. im PR-Sektor einer neuen Beschäftigung nachgehen, oder sich ihr Glück als Freischaffende suchen, unter zumeist prekären, weil langfristig unsicheren Bedingungen.

News-Deprivierte zeigen niedrige Zahlungsbereitschaft

Seit 2009 nimmt die Zahl der News-Deprivierten stetig zu. News-Deprivierte sind heute die mit Abstand grösste Nutzergruppe in der Schweiz. Das Publikum, das zu diesem Mediennutzungstyp zählt, konsumiert wenig News und wenn, dann in qualitätsschwachen Informationsmedien, vorab via Social Media. Von allen Nutzergruppen ist jene der News-Deprivierten seit 2009 mit Abstand am stärksten gewachsen (+15 Prozentpunkte). 2018 zählt mehr als jeder dritte Mediennutzer (36%) zu diesem Nutzertyp. Unter den 16- bis 29-Jährigen sind es sogar 53%. Da die Zahlungsbereitschaft unmittelbar mit dem Newsinteresse verknüpft ist, legt mit den News-Deprivierten genau jene Gruppe am meisten zu, die am wenigsten gewillt ist, für Informationspublizistik zu bezahlen.

Neues Mediengesetz (BGeM): Vorschläge reichen zu wenig weit

In Anbetracht dessen, dass dem professionellen Informationsjournalismus ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell fehlt und unvermindert finanzielle und personelle Ressourcen wegbrechen, gehen die Vorschläge zum Ausbau der Medienförderung im neuen Bundesgesetz über elektronische Medien (BGeM) zu wenig weit. Erstens sollten neben Onlineanbietern, die audiovisuelle Inhalte produzieren, auch Onlinetextmedien gefördert werden können, die sich auf die Produktion von Hintergrundinformationen spezialisieren. Zweitens müssen mehr Gelder für die direkte Medienförderung für private Medienanbieter vorgesehen werden, damit der publizistische Vielfaltsschwund in der Schweiz wirksam aufgehalten wird. Damit genügend Mittel für die SRG und die direkte Medienförderung zur Verfügung stehen, ist die absolute Summe der Medienabgabe genügend hoch anzusetzen und darf in den Folgejahren nicht weiter gesenkt werden.

"Jahrbuch 2018 Qualität der Medien - Schweiz Suisse Svizzera"

Seit seinem erstmaligen Erscheinen im Jahr 2010 ist das Ziel des Jahrbuchs, die Diskussion über die Qualität der Medien zu vertiefen und zu einer Verbesserung ihrer Qualität beizutragen. Es bildet eine Quelle für Medienschaffende, Akteure aus Politik und Wirtschaft, für die Wissenschaft und alle Interessierten, die sich mit der Entwicklung der Medien und ihren Inhalten auseinandersetzen.

Anstoss für das Jahrbuch ist die Einsicht, dass die Qualität der Demokratie von der Qualität medienvermittelter Öffentlichkeit abhängt. Durch das Jahrbuch erhält das Publikum einen Massstab, welchem Journalismus es sich aussetzen will, die Medienmacher erhalten einen Massstab, welchen Journalismus sie produzieren und verantworten wollen, und die Politik erhält Einsicht in die Entwicklung des Medienwesens und in die Ressourcen, die dem Informationsjournalismus in der Schweiz zur Verfügung stehen.

Wer zeichnet für dieses Jahrbuch verantwortlich?

Das Jahrbuch wird erarbeitet und herausgegeben durch das fög - Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich. Acht wissenschaftliche und drei studentische Mitarbeitende sind an der Forschung beteiligt und garantieren die Qualität der Analysen.

Wo sind das Jahrbuch und weiterführende Informationen erhältlich?

Das Jahrbuch ist in gedruckter Form (ISBN 978-3- 7965-3923-7) beim Schwabe Verlag (www.schwabeverlag.ch/) erhältlich und erscheint jeweils im Herbst. Zusätzlich steht zum ersten Mal ein frei zugängliches PDF des Jahrbuchs Qualität der Medien auf www.qualitaet-der-medien.ch zur Verfügung. Die Studien Qualität der Medien, die begleitend zum Jahrbuch erscheinen und thematische Schwerpunkte rund um das Thema Medienqualität behandeln, werden als separate PDFs publiziert und sind ebenfalls kostenlos auf www.qualitaet-der-medien.ch erhältlich.

Quelle / Mehr:

https://docs.wixstatic.com/ugd/440644_7c9b38f20e5143cd9f2f07ff6155c8cb.pdf

Kontakt

fög - Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft / Universität Zürich Andreasstrasse 15, 
CH-8050 Zürich, 
Tel. +41 (0)44 635 21 11

E-Mail kontakt@foeg.uzh.ch

www.foeg.uzh.ch

ERSTE REAKTIONEN

Schweizer Medien stecken in einer Negativspirale

Eines der Hauptprobleme der Schweizer Medien heisst Google. Denn der Suchmaschine fliessen immer mehr Werbegelder zu - inzwischen schon Dreiviertel der gesamten Budgets für Onlinewerbung. Das sind fast 1,5 Milliarden Franken, die nicht bei Ringier, Tamedia oder der NZZ landen.

Als Folge dieser «Plattformisierung» - das heisst, des weiter zunehmenden Einflusses von Google und Facebook - befänden sich die Schweizer Informationsmedien in einer Negativspirale, so die Bilanz des Jahrbuchs.

https://www.srf.ch/news/schweiz/jahrbuch-zur-medienqualitaet-schweizer-medien-stecken-in-einer-negativspirale

Schweizer Medien: Weniger Geld, weniger Qualität

Die privaten Medien in der Schweiz stecken in einer Negativspirale: Sinkende Einnahmen führen zu einer sinkenden Qualität. Zu diesem Befund kommt das neueste Jahrbuch «Qualität der Medien». Laut den Forschern könnte vor allem der Staat etwas an dieser Situation ändern - mit mehr direkter Medienförderung.

https://www.srf.ch/play/radio/rendez-vous/audio/schweizer-medien-weniger-geld-weniger-qualitaet?id=6024eccc-d890-4832-b021-9ddec534b552&startTime=1.884988&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a7

«Tagesgespräch»: Mark Eisenegger zur Qualität der Info-Medien

Seit neun Jahren veröffentlicht das Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft der Uni Zürich jährlich eine Studie zur «Qualität der Medien» in der Schweiz. Die Folgen der Medienkonzentration bereiten Institutsleiter Mark Eisenegger zunehmend Sorgen, wie er im «Tagesgespräch» erläutert.

https://www.srf.ch/play/radio/rendez-vous/audio/tagesgespraech-mark-eisenegger-zur-qualitaet-der-info-medien?id=47d44975-5276-41a3-b4dd-32d574749c10&startTime=1.559909&station=69e8ac16-4327-4af4-b873-fd5cd6e895a7

«So verpasst man es, die Jungen anzusprechen»

Professor Mark Eisenegger hat das Jahrbuch 2018 zur Qualität der Medien vorgelegt und sagt, was Journalisten besser machen könnten.

https://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/so-verpasst-man-es-die-jungen-anzusprechen/story/21692717

Die Zahl der News-Verweigerer wächst markant

Bereits mehr als die Hälfte der Jungen zeigt kein Interesse am Informationsjournalismus. Diese Gruppe ist in den vergangenen zehn Jahren stark gewachsen.

Rainer Stadler

https://www.nzz.ch/feuilleton/medien/die-zahl-der-news-verweigerer-waechst-markant-ld.1428753?reduced=true

Es droht der Einheitsbrei in Schweizer Medien

Die Schweizer Medienlandschaft verfügt nach wie vor über hohe Qualität, krankt aber an einer "besorgniserregend hohen" Konzentration. Die Online-Werbeeinnahmen der Online-Medien brechen zugunsten von Google, Facebook und Co. ein. In den Redaktionen findet ein Braindrain statt. Warum dies kein gutes Zeichen für die Demokratie ist.

Marguerite Meyer

https://www.swissinfo.ch/ger/qualitaet-der-medien-2018-_es-droht-der-einheitsbrei-in-schweizer-medien/44489828

La qualité des médias en Suisse reste bonne mais diminue, affirme une étude

Environ un tiers des 66 titres examinés n'ont pas pu maintenir leur niveau de qualité par rapport à l'année précédente, indique l'étude Annales 2018 sur la qualité des médias de l'institut de recherche fög de l'Université de Zurich. Les médias d'information suisses ont encore perdu du terrain face à l'influence croissante d'intermédiaires technologiques mondiaux tels que Google et Facebook.

https://www.rts.ch/info/suisse/9936225-la-qualite-des-medias-en-suisse-reste-bonne-mais-diminue-affirme-une-etude.html

La qualité des médias en Suisse a diminué, selon une étude zurichoise

La baisse des ressources financières et humaines se fait ressentir sur la diversité et la qualité de l'offre médiatique suisse, indique l'étude Annales 2018 de l'Université de Zurich

https://www.letemps.ch/suisse/qualite-medias-suisse-diminue-selon-une-etude-zurichoise

Diminuisce la qualità dei media

La qualità dell'informazione al pubblico è buona, ma il livello è diminuito. È quanto emerge dallo studio annuale condotto dall'istituto di ricerca Fög dell'Università di Zurigo pubblicato lunedì. Le cause principali sono una mancanza di mezzi finanziari e umani necessari a un'offerta mediatica diversificata e la crescente influenza di Google e Facebook.

https://www.rsi.ch/news/svizzera/Diminuisce-la-qualit%C3%A0-dei-media-11009934.html

"Die Schweiz sollte eine Werbesteuer prüfen"

Am Montag wurde in Bern das Jahrbuch 2018 präsentiert. Mark Eisenegger erläutert gegenüber "persoenlich.com" einige Hauptbefunde. Dabei kritisiert er die Verlage. Sie würden sich über die News-Initiative von Google kaufen lassen.

Edith Hollenstein

https://www.persoenlich.com/

Neues Mediengesetz (BGeM): Vorschläge reichen zu wenig weit

Das Fazit der Studienverfasser: In Anbetracht dessen, dass dem professionellen Informationsjournalismus ein zukunftsfähiges Geschäftsmodell fehlt und unvermindert finanzielle und personelle Ressourcen wegbrechen, gehen die Vorschläge zum Ausbau der Medienförderung im neuen Bundesgesetz über elektronische Medien (BGeM) zu wenig weit. Erstens sollten neben Onlineanbietern, die audiovisuelle Inhalte produzieren, auch Onlinetextmedien gefördert werden können, die sich auf die Produktion von Hintergrundinformationen spezialisieren. Zweitens müssen mehr Gelder für die direkte Medienförderung für private Medienanbieter vorgesehen werden, damit der publizistische Vielfaltsschwund in der Schweiz wirksam aufgehalten wird. Damit genügend Mittel für die SRG und die direkte Medienförderung zur Verfügung stehen, ist die absolute Summe der Medienabgabe genügend hoch anzusetzen und darf in den Folgejahren nicht weiter gesenkt werden.

(ank/pd)
 http://www.werbewoche.ch/medien/2018-10-22/vielfalt-der-medien-nimmt-durch-zentralredaktionen-ab

«Markanter Vielfaltsverlust» durch Zentral- und Mantelredaktionen

Parallel zum abnehmenden Interesse an kostenpflichtigen Informationsangeboten wird in der Studie von einer «rasanten Zunahme von publizistischen Verbundsystemen, Mantel- und Zentralredaktionen» berichtet. Dazu werden die Zentralredaktionen von Tamedia, der jüngste Kauf der «Basler Zeitung», das Joint Venture von NZZ-Regionalmedien und AZ Medien sowie die Zentralredaktion bei «Südostschweiz» und «Bündner Tagblatt» von Somedia gezählt.

http://www.kleinreport.ch/news/markanter-vielfaltsverlust-durch-zentral-und-mantelredaktionen-90925/

Nachtrag vom 23.10.2018:

«Der Idealzustand wäre natürlich ein funktionierender Markt. Dann müsste man all diese Debatten gar nicht führen.»

Die Qualität der Schweizer Medien ist weiterhin gut. Aber die Vielfalt nimmt ab und immer mehr Menschen nutzen kaum noch Informationsmedien. Der Zürcher Professor Mark Eisenegger kommentiert im Gespräch mit der "Medienwoche" die Befunde des aktuellen Jahrbuchs "Qualität der Medien" und erklärt, was gegen die Dominanz der Social-Media-Plattformen unternommen werden sollte.

https://medienwoche.ch/2018/10/23/der-idealzustand-waere-natuerlich-ein-funktionierender-markt-dann-muesste-man-all-diese-debatten-gar-nicht-fuehren/

 
 

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