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ROG-JAHRESBILANZ DER PRESSEFREIHEIT 2017: 65 MEDIENSCHAFFENDE GETÖTET, 326 AKTUELL INHAFTIERT

ROG-JAHRESBILANZ DER PRESSEFREIHEIT 2017: 65 MEDIENSCHAFFENDE GETÖTET, 326 AKTUELL INHAFTIERT

19.12.2017 65 Medienschaffende getötet, 326 aktuell inhaftiert, 54 als Geiseln festgehalten – das ist die "Bilanz der Pressefreiheit" von Reporter ohne Grenzen (ROG) International für das Jahr 2017.


Reporter ohne Grenzen (ROG) International erstellt jährlich eine Jahresbilanz der Pressefreiheit, also eine Bilanz der Übergriffe, Verhaftungen und Gewalttaten gegen Medienschaffende.

2017 wurden 65 Medienschaffende im Zusammenhang mit ihrer Arbeit getötet: 39 von ihnen wurden wegen ihrer journalistischen Tätigkeit, ihrer Recherchen gezielt ermordet, die übrigen 26 wurden im Einsatz getötet, weil sie etwa unter Beschuss oder in einen Bombenangriff gerieten. 50 der Getöteten waren professionelle Journalistinnen und Journalisten, sieben von ihnen Bürgerjournalisten und acht Medienmitarbeitende wie etwa «Stringer»/«Fixer».

Weniger getötete Medienschaffende - Massnahmen greifen

Obwohl diese Zahlen alarmierend sind, war 2017 das «am wenigsten tödliche» Jahr für Medienschaffende seit 2003; seit 2012 ist der Rückgang bei den Todesfällen sogar konstant. Dies hat einerseits damit zu tun, dass JournalistInnen aus Ländern wie Syrien, Libyen, dem Irak oder dem Jemen geflüchtet sind, weil es dort für sie zu gefährlich geworden ist. ROG stellt aber auch ein zunehmendes Bewusstsein für den Schutz von Medienschaffenden fest: Die UNO hat seit 2006 eine Reihe von Resolutionen zum Schutz von JournalistInnen erlassen, und viele Medienunternehmen haben Sicherheitsverfahren eingeführt.

Bei den weiblichen Medienschaffenden ist diese Rückgangs-Tendenz jedoch nicht feststellbar - im Gegenteil: 2016 wurden fünf von ihnen getötet, 2017 zehn. Eine Mehrheit von ihnen waren erfahrene Investigativjournalistinnen, die auch nach Drohungen ihre Recherchen etwa über Korruption, Extremismus oder Drogenhandel nicht einstellten. Dies war beispielsweise bei Daphne Caruana Galizia in Malta, Gauri Lankesh in Indien und Miroslava Breach Velducea in Mexiko der Fall.

«Friedliche» Länder fast ebenso gefährlich

Eine weitere Tendenz, die sich zeigt, ist, dass Länder, in denen kein Krieg herrscht, fast ebenso gefährlich für Medienschaffende sind wie Kriegszonen: 46 Prozent der ReporterInnen wurden in Staaten getötet, in denen es keine deklarierte Konflikte gibt; 2016 war das bei 30 Prozent der Fall. In Mexiko wurden 2017 fast ebenso viele Medienschaffende (11) getötet wie in Syrien (12), dem «tödlichsten Land» weltweit.

«Investigativjournalisten, die über wichtige Themen wie Korruption oder Umweltskandale recherchieren, spielen eine fundamentale Rolle als 'Watchdogs' und werden deshalb zum Ziel für diejenigen, die ihre Recherchen unterbinden wollen», sagt Christophe Deloire, Generalsekretär von ROG International: «In manchen Ländern, in denen kein Krieg herrscht, wird Recherche zunehmend ebenso gefährlich wie die Arbeit in einem Kriegsgebiet. Diese alarmierende Tendenz zeigt, dass Journalisten noch besser geschützt werden müssen.»

China und Türkei: grösste Gefängnisse für JournalistInnen

Am 1. Dezember 2017 waren 326 Medienschaffende in Zusammenhang mit ihrer Arbeit inhaftiert, davon 202 professionelle JournalistInnen, 107 BürgerjournalistInnen und 17 Medienmitarbeitende.

Im Vergleich mit dem Vorjahr ist dies ein Rückgang von sechs Prozent. Trotz dieser positiven Tendenz registrierte ROG in einigen Ländern, in denen das vorher nicht der Fall war, neu eine ungewöhnlich hohe Zahl von inhaftieren Medienschaffenden, so etwa in Russland und Marokko.

Ausserdem sitzt mehr als die Hälfte der inhaftierten Medienschaffenden in fünf Ländern im Gefängnis, nämlich in China, der Türkei, im Iran, in Syrien und Vietnam. China (52) und die Türkei (43) sind nach wie vor die grössten Gefängnisse der Welt für Medienschaffende.

Ausserdem befinden sich 54 Medienschaffende, davon 44 professionelle JournalistInnen, sieben BürgerjournalistInnen und drei Medienmitarbeitende in der Gewalt von nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen wie etwa dem IS oder den Huthis im Jemen.

Mit Ausnahme von zwei Journalisten, die von den separatistischen «Volksrepubliken» im Osten der Ukraine festgehalten werden, konzentrieren sich diese Fälle vollständig auf Syrien, den Jemen und den Irak. Fast drei Viertel dieser Geiseln sind einheimische JournalistInnen, die oft schlecht bezahlt unter äusserst gefährlichen Umständen gearbeitet haben. Die ausländischen JournalistInnen, die festgehalten werden, wurden alle in Syrien entführt; wo sie heute sind, weiss man in vielen Fällen nicht.

rog

Mehr / Kontakt:

http://www.rsf-ch.ch/

http://www.rsf-ch.ch/node/8401

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