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Verdrängt Webradio das bisherige Radio?

Verdrängt Webradio das bisherige Radio?

22.12.2011 Bericht zur Mediapulse-Webradiostudie 2011


Bild: http://www.wikihow.com/Record-Web-Radio

Beinahe jeder fünfte Schweizer (1) hört mindestens ab und zu Radio übers Internet. Wird jedoch ein durchschnittlicher Tag betrachtet, so sind es nur 6% der Schweizer, die an diesem Tag live Webradio nutzen und 1%, die dann zeitversetzt Webradio hören. Live-Webradio wird pro Tag und Kopf durchschnittlich 11 Minuten gehört. Während die Personen zwischen 14 und 44 Jahren durchschnittlich eine Viertelstunde live Webradio pro Tag hören, nutzen es die 45-59-Jährigen nur 11 Minuten pro Tag und die Personen ab 60 Jahren nur 4 Minuten.

92% der Webradiohörer nutzen Live-Webradio. Doch wie sieht nun die Live- Webradionutzung dieser Personen aus? Die meisten dieser Webradiohörer konsumieren am Computer Webradio. Das Mobiltelefon und das Internetradiogerät sind weniger verbreitet zur Webradionutzung. Doch zeigen sich bei der Gerätenutzung Altersunterschiede: Das Mobiltelefon wird von deutlich weniger Personen ab 60 Jahren zur Webradionutzung verwendet als von den Personen der anderen Altersklassen, wohingegen das Internetradiogerät bei den 14-29-Jährigen nur schwach verbreitet ist.

Das Internetradiogerät wird zwar insgesamt von weniger Personen zur Webradionutzung verwendet als das Mobiltelefon. Doch jene Personen, die am Internetradiogerät Webradio hören, tun dies häufiger und länger als jene, die Webradio am Mobiltelefon hören. An einem durchschnittlichen Tag hören die Live-Webradiohörer 67 Minuten live Webradio, wobei drei Viertel dieser Nutzung am Computer erfolgt, 18% am Internetradiogerät und 7% am Mobiltelefon.

Insgesamt macht aber auch bei diesen Personen, die überhaupt live Webradio hören, die Webradionutzung nur einen geringen Anteil der gesamten Radionutzung aus. Zwar hören 5% dieser Personen nur Webradio, doch zwei Drittel decken mit ihrem Webradiokonsum 25% oder weniger des gesamten Radiokonsums ab.

Die Hauptmotivation, Radio übers Internet zu hören, liegt bei der Mehrheit der Personen darin, dass Sender gehört werden können, die anders nicht empfangen werden könnten. Ein Vergleich zwischen den über Internet gehörten Sendertypen und den am klassischen Radio gehörten Sendern zeigt, dass sich diese Motivation auch auf die Nutzung niederschlägt: Während am klassischen Radio mehrheitlich SRG-Sender gehört werden, entfällt beim Webradio der grösste Teil der Nutzung auf Schweizer Privatsender, gefolgt von den ausländischen Sendern. Die SRG-Sender verbuchen bei der Webradionutzung die geringste Nutzung.

Die Mehrheit der Personen nutzt Webradio hauptsächlich zu Hause. Das Mobiltelefon wird zum Webradiohören von ebenso vielen Personen unterwegs wie zu Hause genutzt. Das Internetradiogerät und der Computer hingegen werden nebst zu Hause am zweithäufigsten am Arbeitsplatz bzw. Ausbildungsort gehört.

Obwohl zwar mehr Personen zu Hause Webradio am Computer hören als am Arbeitsplatz, erfolgt ein grösserer Anteil dieser Webradionutzung am Arbeitsplatz.

Wie unterscheidet sich nun die Webradionutzung von der klassischen Radionutzung? Klassisches Radio wird von den älteren Personen reger genutzt als von den jüngeren. So hören an einem durchschnittlichen Tag 96% der Personen ab 60 Jahren klassisches Radio, aber nur 75% der 15-29-Jährigen. Live-Webradio wird hingegen von den 30-44-Jährigen am häufigsten gehört, knapp jeder Zehnte dieser Altersklasse tut es an einem durchschnittlichen Tag.

Interessant ist aber auch die Frage, ob die jüngeren Personen denn eine solch hohe Webradionutzung verzeichnen, dass sie damit die gegenüber den älteren Personen geringere klassische Radionutzung kompensieren. Dies ist jedoch nicht der Fall. Zwar weisen die 14-29-Jährigen durchschnittlich 15 Minuten Webradionutzung pro Tag und Person auf gegenüber 4 Minuten Webradionutzung der Personen ab 60 Jahren. Doch auch wenn der gesamte Radiokonsum betrachtet wird, weisen die 14-29-Jährigen immer noch weniger als die Hälfte der Radionutzung der Personen ab 60 Jahren auf.

Die Webradiohörer unterscheiden sich in soziodemografischen Kriterien von den Nicht-Hörern. So sind Webradiohörer deutlich jünger und eher männlich. Zudem weisen sie ein höheres Haushaltseinkommen auf, haben häufiger die Universität oder eine gleichwertige Ausbildung abgeschlossen und üben häufiger eine Vollzeiterwerbstätigkeit aus. Zudem sind die Webradiouser mit modernerer Technik ausgestattet.

Quelle / Kontakt:

http://www.mediapulse.ch/de/publikationen/downloads/studien.html#c1805

(1) Mit Schweizer werden in diesem Bericht zur Verbesserung des Leseflusses in der Deutschschweiz und Suisse Romande wohnhafte Personen ab 14 Jahren bezeichnet. 

 

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