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"100 JAHRE BAUHAUS: WERKE VON ROMAN CLEMENS AUS DER SAMMLUNG"

"100 JAHRE BAUHAUS: WERKE VON ROMAN CLEMENS AUS DER SAMMLUNG"

01.11.2019 Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv Zürich, bis am 12. Januar 2020


Bild: Roman Clemens, Spiel aus Form, Farbe, Licht und Ton, Finale, 1980, Collection Museum Haus Konstruktiv

2019 jährt sich die Gründung des Bauhauses zum 100. Mal - ein Jubiläum, das auch im Museum Haus Konstruktiv gefeiert wird. Und so widmet es dem einstigen Bauhaus-Schüler Roman Clemens (1910-1992) eine Einzelausstellung mit Werken aus der Sammlung des Museums. Gezeigt werden ausgewählte Malereien aus den 1970er- und 1980er-Jahren, ergänzt durch bislang unveröffentlichtes Archivmaterial aus dem Teilnachlass des Künstlers.

Das vielseitige Werk von Roman Clemens umfasst Bühnenbild, Architektur, Ausstellungsgestaltung und Malerei. Zum zentralen Thema seines rund 60-jährigen Schaffens - Bühne und Raum - findet er während seines Studiums am Bauhaus in Dessau 1927 bis 1931. Hier, auf diesem lebendigen Experimentierfeld der freien und angewandten Kunst, der Produktgestaltung, Architektur und Pädagogik, wird er von Josef Albers in die «Material- und Werklehre» eingeführt und in Joost Schmidts Unterricht mit den Grundlagen der Schriftgestaltung vertraut gemacht. Neben Kursen bei László Moholy-Nagy besuchte er die freien Malereiklassen von Wassily Kandinsky und Paul Klee, nähert sich aber auch - nicht zuletzt durch Ludwig Mies van der Rohe, der die Schule ab 1930 leitet - der Architektur an.

Doch keiner dieser Bauhausmeister dürfte Clemens tiefgreifender und nachhaltiger geprägt haben als Oskar Schlemmer, in dessen Bühnenklasse er die Theaterarbeit als eine Synthese aller Gestaltungsbereiche und die Bauhausbühne als «Summe aller Werkstätten» kennenlernt. Bereits in den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren erarbeitet sich Clemens dort die Grundzüge seines späteren Schaffens als Szenograf und Maler: Sein Bühnenraum soll ein Raum voller Spannung und Aktion sein, aus der Publikumsperspektive jedoch immer auch die Qualitäten eines wohlkomponierten Gemäldes besitzen.

Nach einer Anstellung als Bühnenbildassistent am progressiven Friedrich-Theater in Dessau überträgt Clemens seine Grundsätze auf die Bühne des Zürcher Stadttheaters (heute Opernhaus), wo er von 1932 bis 1943 als erster Bühnenbildner arbeitet und weiter für das Ausstattungswesen, Kostüme und technische Arbeiten sowie die grafische Gestaltung von Plakaten, Programmen und Jahrbücher zuständig ist. An diesem vergleichsweise konventionellen, dem realistischen (Musik-)Theater verschriebenen Haus beweist er seinen innovativen Umgang mit dem Bühnenraum und spielt mit Strategien der Entgrenzung, so wie er später auch als Maler mit räumlichen Dimensionen spielen wird. Für rund 200 Inszenierungen entstehen Bühnenbilder mit einer eigenständigen, das Licht und den Raum zelebrierenden Bildsprache, in der Clemens seine vom Bauhaus geprägte, abstrakte Formensprache mit figurativen Elementen kombiniert. Eindrucksvoll gelingt ihm dies etwa mit seiner Lösung zu Jaques Offenbachs Werk Hoffmanns Erzählungen (1933) sowie mit der Szenografie zu Alban Bergs Lulu (1937).

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und seiner Rückkehr nach Zürich 1945 - er wurde nach mehreren Einberufungsbefehlen schliesslich 1943 in die Wehrmacht eingezogen - nimmt Clemens seine Beschäftigung mit dem Raum wieder auf, indem er sein gestalterisches und malerisches Schaffen vertieft. Mit der Innengestaltung und -ausstattung des damaligen Studio 4 (heute Filmpodium) realisiert er 1948/1949 zusammen mit dem Architekten Werner Frey seine bis heute wohl eindrücklichste raumkünstlerische Arbeit: ein «optisches Kabinett», dessen Design ganz vom Medium Film - vom Kontrast zwischen Statik und Dynamik, Licht und Dunkel, Schwarz und Weiss - bestimmt ist.

Der Malerei wendet sich Roman Clemens Mitte der 1950er-Jahre hauptberuflich zu. Dass sie für ihn stets mit Raum zu tun hat, wird in der Ausstellung im dritten Obergeschoss des Museum Haus Konstruktiv deutlich. Dort ist eine Auswahl von Malereien aus den 1970er- und 1980er-Jahren zu sehen, in denen Clemens mittels variantenreicher Flächengliederung und Farborganisation abstrakt-geometrische Bildräume entwickelt. Besonders gut lässt sich die malerische Erschliessung der Dreidimensionalität an seinen sogenannten Raumbild-Serien wie demi-cube, Parallelogramm im Quadrat oder Vollkommene Entschlüsselung des Raumes nachvollziehen, in denen er durch modulare Ordnungen, Parallelogramme und halbe Kuben Strukturen erzeugt, in denen immer auch der Illusionsraum der Bühne anklingt. Ganz explizit greift Clemens den Bühnenraum auf, wenn er das Finale aus der fünfteiligen Werkfolge Spiel aus Form, Farbe, Licht und Ton - ein Entwurf für ein abstraktes Bühnenbild und Clemens' Diplomarbeit 1929 - zu Beginn der 1980er-Jahre als grossformatige Malerei ausführt; ein Werk, das nicht nur einen Bogen zurück zum Bauhaus schlägt, sondern auch das Gesamtwerk des Künstlers wie eine Klammer umfasst.

Ergänzt sind die Malereien, die zum grössten Teil durch eine grosszügige Schenkung der Lis und Roman Clemens Stiftung in die Sammlung des Museum Haus Konstruktiv aufgenommen werden konnten, durch Archivmaterial, das ebenfalls aus dem Teilnachlass des Künstlers stammt. Es umfasst Bühnenbildentwürfe aus Clemens' Zeit am Bauhaus und am Stadttheater sowie Fotografien und Dokumente aus dem Kontext von seiner Tätigkeit als Leiter und Gestalter zahlreicher didaktischer Ausstellungen. Der Fokus richtet sich dabei auf die erste gross angelegte Schau zur Lehre am Bauhaus, die Clemens 1961 unter dem Patronat von Walter Gropius in der Kunsthalle Darmstadt einrichtete. Hinzu kommen Tuschezeichnungen zur Ergründung des Bühnenraums sowie eine Auswahl von Entwürfen zu seinem malerischen Werk, die in ihrem vielfältigen Spiel mit Form und Farbe Clemens' Prägung durch die am Bauhaus erlernten Entwurfs- und Arbeitstechniken veranschaulichen.

Kuratiert von Sabine Schaschl, Evelyne Bucher und Eliza Lips

hkz

Kontakt:

https://www.hauskonstruktiv.ch/

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