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"ARABISCHE WEBER – CHRISTLICHE KÖNIGE. MITTELALTERLICHE TEXTILIEN AUS SPANIEN"

"ARABISCHE WEBER – CHRISTLICHE KÖNIGE. MITTELALTERLICHE TEXTILIEN AUS SPANIEN"

06.06.2020 Ausstellung in der Abegg-Stiftung in Riggisberg (BE), bis am 8. November 2020, täglich von 14 bis 17.30 Uhr


Bild: 
Seidenstoff mit Streifendekor und einer arabischen Inschrift; Granada, 14. Jahrhundert; © Abegg-Stiftung, Inv. Nr. 5838.

Die neue Sonderausstellung der Abegg-Stiftung beleuchtet anhand kostbarer Textilien die wechselvolle Geschichte Spaniens im Mittelalter. Präsentiert werden vor allem Seidenstoffe vom 12. bis zum 15. Jahrhundert, die von muslimischen Webern hergestellt wurden, sich aber in einem christlichen Kontext erhalten haben. Das macht diese Objekte über ihren kunsthistorischen Wert hinaus zu bedeutenden zeitgenössischen Quellen für die sich verändernden Machtverhältnisse zwischen christlichen und muslimischen Herrschern. Zugleich sind sie Zeugen eines fruchtbaren Austauschs zwischen Religionen und Kulturen.

Vom 8. Jahrhundert bis 1492 herrschten muslimische Dynastien über weite Teile Spaniens. Mit der arabischen und maurischen Kultur kam auch die Seidenweberei auf die Iberische Halbinsel. Die islamischen Weber waren Meister ihres Fachs. Sie stellten die prächtigsten Stoffe her. Ihre Seidengewebe waren begehrte Luxusprodukte, die weit über die Landesgrenzen hinaus Furore machten. Als Kriegsbeute, diplomatisches Geschenk oder teure Handelsware gelangten sie auch in den Besitz der christlichen Könige und geistlichen Würdenträger im Norden Spaniens.

Vor allem dank der kirchlichen Nutzung haben sich viele dieser Stoffe bis auf den heutigen Tag erhalten - sei es als Reliquienhülle, als liturgisches Gewand oder als Schmuck für den Altar. Diese Stoffe aus al-Andalus, wie der muslimische Süden genannt wurde, prägten bis in das späte Mittelalter die Repräsentationskultur sowohl des islamischen als auch des christlichen Spanien. Die künstlerischen Zentren des Nordens hingegen, Städte wie Burgos oder Barcelona zum Beispiel, waren vor allem für kostbare Stickereien mit christlichen Bildthemen bekannt.

Erst im Verlauf des 15. Jahrhunderts entstanden in Spanien Seidengewebe, die stilistisch und in ihren Motiven kaum mehr bzw. gar keine Anklänge an die arabische Kultur zeigten.

Arabische Stoffe für christliche Heilige

Die ältesten Stoffe in der Ausstellung stammen aus dem 12. Jahrhundert. Sie wurden von muslimischen Webern unter der Dynastie der Almoraviden gewebt. Auf den Stoffen finden sich majestätische Adler, Löwen oder Fabelwesen in runden Bildfeldern, deren Rahmungen reich verziert sind.

Im christlichen Teil Spaniens war niemand in der Lage, solche prächtigen Seidenstoffe mit derart komplizierten Mustern herzustellen. So erstaunt es nicht, dass diese Gewebe über Grenzen und Religionen hinweg gehandelt, geschenkt oder geraubt wurden. Die christlichen Würdenträger liessen sich daraus liturgische Gewänder schneidern oder die bedeutendsten Schätze der Kirche, nämlich die Reliquien von Heiligen, darin einwickeln. Ihr Wunsch nach prunkvoller Ausstattung machte nicht einmal vor Stücken mit gut lesbaren arabischen Inschriften wie baraka (Segen) Halt.

In der Ausstellung sind gleich vier Zeugnisse dieser Art zu sehen: zwei grössere Seidenstoffe, die als Hülle für die Reliquien der heiligen Librada, einer frühchristlichen Märtyrerin, dienten, und zwei Fragmente, die von den Gewändern heiliggesprochener Geistlicher stammen.

Im Dienste christlicher Könige

Eine zweite Sektion in der Ausstellung stellt Stoffe des 13. Jahrhunderts vor, die mit spanischen Adligen in Verbindung gebracht werden können. Es finden sich deren Wappen darauf, beispielsweise dasjenige des Königreichs Kastilien-León. Besonders eindrücklich ist ein kleines Fragment, das vom Grabmantel König Fernandos III. (1199-1252) stammt. Es handelt sich um eine überaus feine Seidenwirkerei, die einen roten Löwen auf weissem Hintergrund (León) und ein goldenes Kastell mit drei Türmen vor rotem Hintergrund (Kastilien) zeigt. Obwohl der Stoff das Wappen eines christlichen Königreichs zeigt, wurde er dennoch von muslimischen Webern hergestellt. Sie lebten in den ehemals maurischen Gebieten der Iberischen Halbinsel, die im Lauf der Zeit von christlichen Königen erobert worden waren. Diese Handwerker gehörten zur Schicht der Mudéjares, so benannt nach dem arabischen Wort für "dienstbar gemacht" (mudağğan). Mit heraldisch korrekten Webdekoren passten sie sich den neuen Machtverhältnissen und den Wünschen der christlichen Auftraggeber an.

Der maurische Stil wurde aber nicht abgelehnt, wie ein Fragment vom Grabgewand des Infanten Don Felipe (1231-1274), des Sohnes König Fernandos III., beweist: Das Muster zeigt Felder mit Rautengittern, Sternen und Rosetten. Dazwischen gibt es breite Querstreifen, in denen das arabische Wort al-yumn (das Glück) zu lesen ist. Der Stoff wurde wohl in Málaga gewebt, also im damaligen al-Andalus, und gelangte vermutlich als Geschenk, vielleicht aber auch als Beute oder teure Importware in den Besitz des Infanten. Don Felipes Grabgewand war übrigens eine aljuba, ein hemdartiges, ursprünglich arabisches Kleidungsstück, das im 13. Jahrhundert beim spanischen Adel in Mode war. Solche Beispiele zeigen, wie beliebt Textilien von islamischen Webern nach wie vor bei der christlichen Oberschicht waren.

Alhambra-Stoffe

Von den Gewändern christlicher Könige und Geistlicher führt die Ausstellung weiter zu seidenen Behängen, die einst die Räume muslimischer Eliten schmückten. Die Dekore dieser Interieurtextilien gleichen der Musterabfolge auf dem Grabgewand Don Felipes: Felder mit raffinierten geometrischen Mustern und solche mit arabischen Inschriften wechseln sich ab.

Obwohl nur in Fragmenten erhalten, lassen die bunten Beispiele in der Ausstellung erahnen, welche Vielfalt an Farben, Ornamenten und Inschriften diese Behänge aufwiesen. Wünsche wie "und Glück und Wohlstand" oder "Glückseligkeit" sind in arabischer Schrift eingewebt. Die geometrischen Muster auf diesen Behängen gehören zu den kompliziertesten überhaupt. Mit sich über- und unterschneidenden Linien entstehen vieleckige oder kreisförmige Teilflächen, die beliebig erweitert werden können und so komplexe Stern-, Rosetten- oder Gittermotive bilden.

Zusammen mit kalligrafischen Inschriften sind solche Muster charakteristisch für die islamische Kunst. Man findet sie in allen Kunstgattungen, insbesondere auch in der Raumausstattung in Form von Stuckdekorationen, Fliesenmustern und Schnitzarbeiten. In Anlehnung an das wohl bekannteste und beeindruckendste Monument der maurischen Baukultur in Europa werden diese Textilien auch "Alhambra-Stoffe" genannt. Die Umsetzung dieser Muster am Webstuhl war allerdings weitaus schwieriger und aufwändiger als in den Materialien Stuck, Keramik oder Holz.

Neben den Stoffen mit geometrischen Mustern und arabischen Inschriften, also den klassisch islamischen Dekoren, präsentiert die Ausstellung auch einige Beispiele, in denen florale Motive mit Wappen kombiniert werden. Es handelt sich um farbenfrohe Stoffe, oftmals rotgrundig, mit stilisierten Nelken oder sich emporwindenden Lotosranken und kleinen Vögeln oder Löwen.

Die dargestellten Wappenschilde mit Schrägbalken erinnern an das Wappen der Nasriden, der muslimisch-maurischen Dynastie, die im Emirat von Granada von 1238-1492 herrschte. Im Schrägbalken des Wappens sind arabische Inschriften wie "Ehre für unseren Herrscher, den Sultan" oder ganz einfach baraka (Segen) eingewebt. Einer dieser Stoffe hat sich in Form eines Kirchengewands erhalten.

Kirchliche Prachtentfaltung

Die Begeisterung christlicher Würdenträger für die Stoffe muslimischer Weber liess wohl erst nach, als erste italienische Seidengewebe ihren Weg nach Spanien fanden. Spätestens aber, als der letzte Emir von Granada, Muhammad XII., 1492 nach militärischen Niederlagen die Alhambra räumen musste.

Kurz darauf zog das Königspaar Ferdinand II. von Aragón und Isabella I. von Kastilien feierlich in die Stadt ein. Der erfolgreichen Eroberung setzte es mit kirchlichen Stiftungen - darunter auch kostbaren Geweben - prunkvolle Denkmale. Auch im übrigen Spanien fanden reiche textile Schenkungen Eingang in Kathedralen, Klöster und Pfarreien.

So ist denn die letzte Sektion der Ausstellung Textilien gewidmet, die eigens für die Kirche hergestellt wurden. Zu sehen sind einige farbenprächtige, sehr gut erhaltene Kirchengewänder, auf denen keinerlei Einflüsse der arabischen Kultur mehr ausfindig zu machen sind. Damit verkörpern diese Objekte sinnbildlich das Ende einer langen Ära, die durch einen keineswegs konfliktfreien, aber kulturell dennoch überaus fruchtbaren Austausch zweier Religionen geprägt gewesen war.

asr

Kontakt:

https://abegg-stiftung.ch/collection/sa2020/

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