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"CAMILLE GRAESER – VOM WERDEN EINES KONKRETEN KÜNSTLERS"

"CAMILLE GRAESER – VOM WERDEN EINES KONKRETEN KÜNSTLERS"

01.11.2019 Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv Zürich, bis am 12. Januar 2020


Foto: © https://www.hauskonstruktiv.ch/deCH/ausstellungen/current/camille-graeser.htm

Das Museum Haus Konstruktiv zeigt eine umfangreiche Ausstellung über den Schweizer Künstler Camille Graeser (1892-1980), der mit Max Bill, Richard Paul Lohse und Verena Loewensberg zum engsten Kreis der Zürcher Konkreten gehörte. Der Schwerpunkt der Ausstellung liegt auf den 1930er- bis 1950er-Jahren, ergänzt durch eine Auswahl repräsentativer Werke aus seinen wichtigsten Schaffensphasen. Die Ausstellung ermöglicht einen neuen Blick auf das Frühwerk Graesers und führt zu einem vertieften Verständnis seines künstlerischen Werdegangs.

Die sich über zwei Stockwerke erstreckende Soloschau geht der Frage nach, wie es dazu kam, dass der Möbeldesigner Camille Graeser, der in Stuttgart ein eigenes Atelier unterhielt und an bedeutenden Werkbund-Ausstellungen beteiligt war, nach seiner - durch die nationalsozialistische Machtergreifung bedingte - Rückkehr in die Schweiz 1933 zu einem der Hauptvertreter der konkreten Kunst in Zürich wurde.

Dazu werden einige seiner Innenarchitektur-Entwürfe sowie Möbel der 1920er- und 1930er-Jahre seinen Gemälden, Reliefs und Plastiken aus den ausgehenden 1930er-Jahren gegenübergestellt, und es wird veranschaulicht, wie Graeser in den 1940er- und 1950er-Jahren im Umfeld der Schweizer Künstlervereinigung Allianz seine konstruktiv-konkrete Formensprache ausbildete.

Nicht nur die entscheidenden Stationen seiner malerischen Entwicklung werden gezeigt, sondern auch Arbeiten von Künstlern und Künstlerinnen, die sein Schaffen beeinflussten. Ein Grossteil der ausgestellten Werke von Camille Graeser stammt aus seinem Nachlass, ergänzt werden sie durch Leihgaben aus dem In- und Ausland.

Camille Graeser, geboren 1892 in Carouge bei Genf, wächst in Stuttgart auf, wo er seine gesamte schulische und berufliche Ausbildung (Schreinerlehre und Fachklasse für Möbeldesign) durchläuft. 1917 gelingt es ihm, als erfolgreicher Möbeldesigner ein eigenes Atelier zu unterhalten. Seine dem Modernismus verpflichteten Einzelmöbel und Inneneinrichtungen werden in vielen Ausstellungen des deutschen Werkbundes präsentiert, so auch 1927 in einer Modellwohnung der von Mies van der Rohe entworfenen Weissenhofsiedlung Stuttgart.

1933 verlässt Graeser wegen der Nationalsozialisten seine Wirkungsstätte Stuttgart und geht nach Zürich, wo er seine Karriere als Möbeldesigner voranzutreiben sucht. Er nimmt mit wichtigen Möbelherstellern und designaffinen Intellektuellen Kontakt auf, u.a. mit dem Architekturhistoriker Sigfried Gideon, dem Architekten Alfred Roth sowie dem Einrichtungshaus wohnbedarf in Zürich. Seine Anstrengungen, als Möbeldesigner in Zürich Fuss zu fassen, haben jedoch aufgrund der Wirtschaftskrise nur wenig Erfolg. So beginnt er sich ab 1933/1934 der Malerei zu widmen.

Ende 1937 wird er Mitglied der Künstlervereinigung Allianz. Sehr schnell etabliert er sich im Kreis der später als Zürcher Konkrete bezeichneten Bewegung und ist auf den wichtigen Allianz-Ausstellungen in Zürich, Basel, St.Gallen und Bern präsent. Zusammen mit Max Bill, Richard Paul Lohse und Verena Loewensberg erreicht er zwischen 1949 und 1950 erste internationale Anerkennung durch Ausstellungen in Deutschland, Italien und den USA.

Die Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv ist thematisch in sieben Bereiche gegliedert, in denen anhand ausgewählter Arbeiten von Graeser, seinen Vorbildern und Weggefährten Bezüge zur europäischen Kunstgeschichte aufgezeigt werden. Die Ausstellung beginnt in den beiden Kabinetten im dritten Stock. Hier wird zum Beispiel Graesers Beziehung zum Avantgarde-Pionier Adolf Hölzel thematisiert, bei dem Graeser 1919 Privatunterricht nahm und dessen Farb- und Kompositionslehre nicht nur sein Frühwerk, sondern auch seine späteren Gemälde beeinflussten.

Ein weiteres Thema ist Graesers Beziehung zum Figürlichen. In den 1920er- und 1930er- Jahren finden sich in seinen puristischen Zeichnungen, Möbelentwürfen, Wand- und Fassadengestaltungen figürliche Anklänge, die auf Einflüsse von Willi Baumeisters Mauerbildern und Oskar Schlemmers Figurinen hinweisen. Die Figurinen, die nicht zuletzt das neue Geschlechterverhältnis zwischen Mann und Frau thematisieren, fungieren in seiner Wand- und Fassadengestaltung oft als Raumausrichtung anzeigende Vektoren und vermitteln so zwischen Architektur und künstlerischer Gestaltung.

Der Übergang zur konstruktiv-konkreten Formensprache in den frühen 1940er-Jahren wird im ersten Raum des 4. Obergeschosses nachvollziehbar. Er ist Camille Graesers und Emmy Graeser-Rauchs erstem gemeinsamen Zürcher Wohnatelier in der Stadelhoferstasse 33 gewidmet, das die beiden Ende 1936 bezogen. Zu sehen sind hier früheste Zürcher Gemälde, die noch Anklänge an den Surrealismus aufweisen, Zeichnungen, Reliefs und Plastiken, die Camille Graeser im Wohnatelier realisiert, aber auch ein Sideboard aus der selbst entworfenen Wohnungseinrichtung. Emmy, die Camilles Werke fotografiert und ab Anfang der 1940er-Jahre sein Werkverzeichnis führt, wird, angeregt durch ihn, selbst künstlerisch tätig: 1938 gestaltet sie stark an El Lissitzky und Friedrich Vordemberge-Gildewart erinnernde kleine Gouachen, die in ihrer Formensprache fast radikaler sind als die ersten konkreten Gemälde ihres Mannes. Eine eigene Karriere als Künstlerin aber beginnt sie nicht.

Zur Jahreswende 1937/1938 wird Graeser durch die Einladung von Leo Leuppi Mitglied der Allianz und ist fortan an allen Ausstellungen bis 1954 beteiligt. Die Mitgliedschaft verhilft ihm - wie anderen Allianz-Mitgliedern - zum Durchbruch als Künstler. Beim Eintritt in die Allianz beteiligt er sich mit Werken surrealistischer und puristisch-organischer Prägung. Erst ab 1943 tritt Graeser in den Ausstellungen der Künstlervereinigung als Vertreter einer konstruktiv-konkreten Formensprache auf.

Zusätzlich werden Allianz-Künstler mit je einem Werk ausgestellt, die entweder für Graeser vorbildhaft (Sophie Taeuber-Arp) oder mit Graeser befreundet waren (Lili Erzinger, Diogo Graf, Leo Leuppi, Hansegger), oder die in ihrer künstlerischen Formensprache eine zeitweilig ähnliche Entwicklung durchliefen (Maria Clara Friedrich, Robert Gessner, Heinrich Eichmann).

Auch bei verschiedenen anderen Allianz-Mitgliedern, die später als Zürcher Konkrete bekannt werden sollten, prägt sich die konstruktiv-konkrete Formensprache erst im Verlauf der 1940er-Jahre deutlich aus. Mathematische Prinzipien wie die der Progression und Degression spielen bei Bill, Lohse und Loewensberg bei diesem Schritt eine wichtige Rolle, ebenso bei Vordemberge-Gildewart, der zwar nicht Allianz-Mitglied ist, aber Graeser beeinflusst.

Wie die übrigen Zürcher Konkreten wird Camille Graeser auch vom russischen Konstruktivismus (Kasimir Malewitsch, Wladimir Tatlin und El Lissitzky) und der De-Stijl-Bewegung um Theo van Doesburg und Piet Mondrian geprägt. Mitte der 1940er-Jahre nimmt er den Elementarismus in Form von mathematischen Formelementen wie Quadrat, Rechteck, Kreis und Rhombus, die in den Werken bis 1954 eine starke Rolle spielen, auf, und kombiniert sie mit farbigen oder schwarzen Balken- oder T-Elementen. Um zu einer systematischen Formensprache zu gelangen, versucht er ab 1944, die Kunst Piet Mondrians unter Anwendung von Zahlensystemen zu präzisieren und somit jedes intuitive Moment auszuschliessen.

Im Haus Konstruktiv werden acht Werke Graesers gezeigt, in denen er primär-farbige Quadrat- oder Rechteckflächen mit orthogonalen schwarzen Balkenelementen kombiniert. Ergänzt sind sie um Werke von Bill, Lohse, Loewensberg, Fritz Glarner und Adolf Fleischmann, in denen der Einfluss von De Stijl ebenfalls deutlich ersichtlich ist.

In der grossen Säulenhalle im dritten Stock können die Besucherinnen und Besucher die wichtigsten Schaffensperioden der rund 20 Werkgruppen, die Graeser im Laufe seiner künstlerischen Tätigkeit entwickelt hat, noch einmal in einer Gegenüberstellung vergleichen. Den grossformatigen Streifen-Relationen der 1960er-Jahre und den späten Dislokationen der 1970er-Jahre stehen frühe Einzelwerke im grössten Raum des Museums gegenüber.

Kuratiert von Vera Hausdorff, Konservatorin der Camille Graeser Stiftung

hkz

Kontakt:

https://www.hauskonstruktiv.ch/

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