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"CÉLINE MANZ. 9 ESPACES DISTINCTS" /// "MAËLLE GROSS. HOTHEADS"

"CÉLINE MANZ. 9 ESPACES DISTINCTS" /// "MAËLLE GROSS. HOTHEADS"

02.02.2020 Ausstellungen im Kunsthaus Langenthal, vom 6. Februar bis am 5. April 2020. Eröffnung: Mittwoch, 5. Februar 2020, 18 Uhr.


Bild oben: Céline Manz, "fold Simulationisms #3: Triangles, cercles, lignes, 1932", 2017 - 2019. Courtesy of the Artist

Das Kunsthaus Langenthal zeigt zwei Einzelausstellungen von jungen Schweizer Künstlerinnen, die sich beide auf unterschiedliche Weise mit den Biografien von Frauen beschäftigen. Bei Céline Manz sind es bedeutende Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts wie Sophie Taeuber-Arp und Meret Oppenheim, bei Maëlle Gross sind es heutige Frauen über 50, die Motorrad fahren.

Im Rahmen der Ausstellung finden u.a. eine Parade mit Motorradfahrerinnen und eine Lesung von Sprechstücken aus Liebesbriefen von Sophie-Taeuber-Arp statt.

"Céline Manz. 9 espaces distincts"

Welchen Einfluss haben die Biografie, das Geschlecht, die Nachlassverwaltungen und das Urheberrecht auf die Wahrnehmung des Werks berühmter Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts wie Sophie Taeuber-Arp, Sonia Delaunay oder Meret Oppenheim?

Céline Manz (*1981, lebt und arbeitet in Basel und London) geht diesen Fragen mittels verschiedener Formen der Aneignung, Rekontextualisierung und Reaktivierung nach. Zu sehen sind etwa eine Interpretation eines unrealisierten Interieurs von Taeuber-Arp, das ihren männlichen Kooperationspartnern zu bunt gewesen war, oder Fotogramme einer Arbeit von Sonia Delaunay, übertragen von Websites, die diese fälschlicherweise ihrem Mann Robert zuordneten.

Manz lotet Grauzonen des Urheberrechts und der juristischen Definition künstlerischer Originalität aus und stellt dabei immer auch Fragen zum heutigen Leben und Arbeiten als Künstlerin. Für ihre bisher grösste Einzelausstellung, die Anfang 2020 im Kunsthaus Langenthal in den neun Räumen des gesamten ersten Stockwerks stattfindet, stellt Manz ihr langjähriges Thema erstmals umfassend dar.

Manz bezieht sich bewusst auf Frauen, die zu den bekanntesten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts gehören und seit längerem und immer wieder neu und entsprechend dem Zeitgeist rezipiert wurden. Manz interessiert sich für diese offene Interpretierbarkeit eines Werks nach dem Tod der Urheberin und sucht ihre eigenen Formen einer Interpretation und Reaktivierung. Dass es sich um relativ bekannte Namen handelt, ermöglicht eine Vergleichbarkeit hinsichtlich der Sichtbarkeit von Künstlerinnen allgemein.

Taeuber-Arp, Oppenheim oder Delaunay waren oft die einzigen Frauen in Ausstellungen. Den ausgewählten Künstlerinnen ist gemein, dass sie auf verschiedene Weise stark von der Biografie her rezipiert wurden, insbesondere den Ehen und Zusammenarbeiten mit Hans Arp bzw. Robert Delaunay, und dass diese Biografien auch verbunden sind, etwa in der Freundschaft von Delaunay und Taeuber-Arp.

Die Biografien schlagen sich auch in der Art und Weise nieder, wie die Nachlässe der besagten Künstlerinnen verwaltet und verwertet werden. Die Rolle der Nachlassverwalter und deren Umgang mit dem Zugang zum Werk und zur Dokumentation - als Gatekeeper, Verwerter und Promotoren - beeinflussen die Rezeption und sind für Manz nicht zuletzt bezüglich ihrer Beschäftigung mit der rechtlichen Situation von hohem Belang.

Hinsichtlich der rechtlichen Situation ist die Auswahl der drei Künstlerinnen ebenfalls interessant. So ist die Situation bei Sophie Taeuber-Arp eine gänzlich andere als bei den anderen beiden, da sie bereits vor über 70 Jahren verstorben ist und damit sowohl das Urheberrecht auf ihr künstlerisches Werk abgelaufen ist wie auch die rechtliche Lage bezüglich des Persönlichkeitsrechts (etwa der Korrespondenz anders ist). Bei Delaunay und Oppenheim, verstorben 1979 bzw. 1985, laufen die Urheberrechte erst in einigen Jahrzehnten ab. Robert Delaunays Werk ist hingegen bereits gemeinfrei - was Fragen bezüglich der gemeinsam mit Sonia entwickelten Werkserien aufwirft.

"Maëlle Gross. HotHeads"

"HotHeads" ist die erste institutionelle Einzelausstellung von Maëlle Gross (*1988, lebt und arbeitet in Lausanne und Genf). Im Zentrum der Präsentation steht die gleichnamige dreiteilige Videoarbeit. Darin porträtiert Gross auf berührende Weise drei Frauen über 50 und ihre Leidenschaft fürs Motorradfahren.

Die drei Porträtierten erzählen von Kontrolle, Rausch und Selbstermächtigung in der noch immer stark männerdominierten Bikerszene, in der die auf dem Soziussitz mitfahrenden Frauen abwertend als "sac de sable", als Sandsäcke bezeichnet werden. Sie lassen intime Einblicke in ihre Biografien und ihr Selbstverständnis als Motorradfahrerinnen zu. Die dokumentarischen Videoaufnahmen werden von Choreografien umrahmt, die Gross in enger Zusammenarbeit mit den drei Protagonistinnen sowie einem Musiker und einer Choreografin entwickelt hat. Der experimentelle Umgang mit Dekor, Kleidung, Sound und Stimme zeugt von einem grossen Vertrauen zwischen der Filmerin und den Akteurinnen.

Die über längere Zeiträume entstehenden Kooperationen mit AkteurInnen aus kunstfernen Feldern ist charakteristisch für das Schaffen von Gross. Als Ausgangslage dienen Maëlle Gross Anekdoten und Geschichten, die sie in Gesprächen und Recherchen aufarbeitet und vertieft.

"HotHeads" wird in Langenthal als Installation mit drei grossen Projektionen sowie verbindenden und ergänzenden Elementen wie Wandschriften und einer Raumgestaltung mit Licht und Textilien und Text/Klang-Stücken gezeigt.


Ergänzt wird die Präsentation in den sechs Räumen des 2. Obergeschosses mit einer neu für die Ausstellung konzipierten Arbeit, die ortsspezifische Bezüge zur Region eröffnen wird. Die Grossmutter der Künstlerin hatte das Bürgerrecht des Oberaargauer Dorfes Bollodingen, bevor sie es nach damaligem Recht durch Heirat mit einem geflüchteten Griechen verlor. Später liess sie sich dort wieder einbürgern, sodass auch Maëlle Gross diesen Heimatort hat. Die Künstlerin war aber erst im Vorfeld der Ausstellung zum ersten Mal dort. Gross nimmt dieses zufällige Aufeinandertreffen zum Anlass, sich ausgehend vom Ort und dem persönlichen Schicksal ihrer Familie mit der Lokalgeschichte und darüber hinaus mit aktuellen Fragen zu Flucht, globalisierten Migrationsbewegungen und Bürgerrecht auseinanderzusetzen. Eine neue Arbeit mit einer Skulptur, die mit einer Motorrad-Parade (das Publikum darf mit Bikerinnen mitfahren) nach Bollodingen gelangt, geht von diesem biografischen Bezug aus.

khl

Kontakt:

https://www.kunsthauslangenthal.ch/de/

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Bild: Maëlle Gross, HotHeads, 2019, Videostill, Courtesy of the Artist

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