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"EIN HIMMLISCH' WERK"

"EIN HIMMLISCH' WERK"

02.06.2019 Musikalische Schätze aus der Musikbibliothek des Klosters Einsiedeln im Museum Fram Einsiedeln, bis am 29. September 2019


Bild: Leopold Mozart, Gründliche Violinschule. Zweite vermehrte Auflage. Augsburg 1770; Adam Gumpelzhaimers «Compendium Musicae Latino-Germanicum». Elfte Auflage. Augsburg 1655. Eines der am weitesten verbreiteten Schulbücher für Musik.; Giovan Giacomo Carissimi, «Ars Cantandi, Das ist: Richtiger und ausführlicher Weg die Jugend aus dem rechten Grund in der Sing-Kunst zu unterrichten». 5. Auflage. Augsburg 1718, https://www.fram-einsiedeln.ch/ausstellungen/

Zu den Sehenswürdigkeiten des Klosters Einsiedeln zählen die barocke Klosterkirche, die Stiftsbibliothek und der Grosse Saal. Dass sich innerhalb einer der schönsten Klosteranlagen der Schweiz weitere Schätze befinden, wissen nur wenige, weil diese der Öffentlichkeit gar nicht zugänglich sind. Dazu gehört auch die umfangreiche Musikbibliothek mit dem grössten Bestand an Musikhandschriften vor 1800 in der Schweiz. Die Ausstellung «Ein himmlisch' Werk - Musikalische Schätze aus dem Kloster Einsiedeln» zeigt einige der wertvollen Musikalien, die vom florierenden musikalischen Leben innerhalb der Einsiedler Klostermauern und von der Sammelleidenschaft der Mönche zeugen.

Der Raum des Museums Fram wird in sieben Bereiche aufgeteilt, welche die Schätze der Musikbibliothek in einer Ouvertüre und sechs Akten präsentieren. Natürlich gibt es Musik nicht nur zu sehen, sondern auch zu hören, einerseits mit den in der Ausstellung zur Verfügung gestellten Audioguides, andererseits in einem speziell eingerichteten Auditorium, wo man länger verweilen und Werken zuhören kann, die in der Musikbibliothek archiviert sind.

Musik zwischen Gottesdienst und Bühne

Seit dem 10. Jahrhundert lebt eine Mönchsgemeinschaft in Einsiedeln, die ihren Tagesablauf nach der Regel des Heiligen Benedikt von Nursia gestaltet. Jeder Tag ist vom Gebet, von der Arbeit und von der geistlichen Lesung bestimmt. Da mindestens ein Teil des täglichen Gebets gesungen werden soll, erstaunt es nicht, wenn sich in einer über tausendjährigen Klostertradition ein riesiger Bestand an gesungener Gottesdienstmusik angesammelt hat. Viele dieser Werke wurden von klostereigenen Komponisten geschaffen, denen der erste Akt gewidmet ist. Darunter sind Ulrich Wittwiler, Anselm Schubiger, Oswald Jaeggi, der Hindemith-Schüler Daniel Meier und der Bartolucci-Schüler Theo Flury (*1955), der jüngste in der langen Reihe der «Hauskomponisten».

Im Lauf der Geschichte haben sowohl klostereigene als auch Komponisten ausserhalb des Klosters, die mit Einsiedeln in persönlicher Verbindung standen, Werke für den Gottesdienst geschaffen. Speziell zu erwähnen sind neben Motetten und anderen kleine Kompositionen grosse Messen wie die beiden «Einsiedler Messen» von Hans Huber und Albert Jenny.

Die Musik für den Gottesdienst wird in der Ausstellung im zweiten Akt dargestellt. Dabei wird auch erzählt, dass bis weit ins 19. Jahrhundert hinein in der Kirche erstaunlicherweise Musik aus Opern gespielt wurde. So erklang denn zum Beispiel ein Magnificat mit Musik aus Mozarts «Le nozze di Figaro», wobei aus der Arie «Contessa perdono» kurzerhand ein «Gloria patri» wurde.

Noch vor dem legendären Zyklus im Opernhaus Zürich führten 1965 Einsiedler Stiftsschüler Monteverdis «Orfeo» auf. Ein Jahr später versiegte die Operntradition an der Stiftsschule, die bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts nachweisbar ist. Da es bis 1970 keine Mädchen am Gymnasium gab, wurden die Opern von den Mönchen hemmungslos bearbeitet, so dass aus Frauenpartien Männerrollen wurden und Donizettis «Fille du régiment» zu «Marino, der Regimentsbursche» mutierte. Dieser Akt verspricht also ein paar Kuriositäten.

Von der welschen zur deutschen Musik

Im vierten Akt wird gezeigt, welche Auswirkungen die Schule hatte, welche das Kloster von 1675 bis 1852 in Bellinzona führte. Über diese Filiale kamen grosse Bestände oberitalienischer Musik ins Heimatkloster, welche die im Tessin wirkenden Einsiedler Patres in Mailand und an anderen Orten Oberitaliens entdeckten und kopierten. Werke von über 50 Komponisten aus der lombardischen Metropole befinden sich in der Musikbibliothek, darunter sechs Original-Partituren des Mailänder Domkapellmeisters Carlo Donato Cossoni (1623-1700). Von unschätzbarem Wert sind auch die rund 100 zeitgenössischen Abschriften von katholischer Kirchenmusik des jüngsten Bach-Sohnes Johann Christian Bach (1735-1782), der sich in jungen Jahren in Mailand aufhielt.

Der fünfte Akt zeigt die Auswirkungen der Französischen Revolution auf das Musikleben im Kloster Einsiedeln. 1798 musste der aus 93 Mönchen bestehende Konvent fliehen. Die Patres liessen sich zum grössten Teil im vorarlbergischen St. Gerold nieder und steuerten von dort aus verschiedene Klöster in Österreich und Deutschland an. Eine wahre Offenbarung war für sie die Musik von Joseph Haydn. Seine Streichquartette, Sinfonien, Messen und Oratorien trugen dazu bei, dass sich die Einsiedler Musikverantwortlichen von der «welschen Musik» ab- und der deutschen Musik zuwandten.

Die Musikbibliothek und ihr Begründer

Ein herausragender Einsiedler Mönch schliesslich steht im Mittelpunkt des sechsten und letzten Akts: Pater Gall Morel. Er gilt auch aus heutiger Sicht als «der universalste Geist, den das Stift besessen», wie es im Professbuch des Klosters heisst. Er erstellte 1835 zusammen mit den Novizen das erste Verzeichnis der vorhandenen Musikalien und legte damit den Grundstein für die Einsiedler Musikbibliothek. Zudem erweiterte er sie um 27'000 Bücher, Manuskripte und kostbare Autografe, etwa von Mozart, Mendelssohn, Liszt, Verdi und Wagner.

In einer Zugabe kommt mit Artur Beul (1915-2010) ein Komponist aus dem Dorf zu Ehren. Vom Schöpfer zahlreicher Evergreens wie «Nach em Räge schint Sunne» oder «Stägeli uf, Stägeli ab» liegt das Autograf des Schlagers «Am Himmel stoht es Sternli z'Nacht» in der Musikbibliothek des Klosters.

Die beiden Kuratoren der Ausstellung sind Pater Lukas Helg, seit 43 Jahren Leiter der Musikbibliothek, und Christoph Riedo, Musikwissenschaftler und Kenner der Alten Musik. Bei der Planung und Gestaltung der Ausstellung wirkten Mathis Füssler, Walter Kälin, Marann Schneider sowie in der Aufbauphase Paolo De Caro, Giulia Passalacqua und Zeno Schneider mit.

Begleitend zur Ausstellung erscheint zum Preis von CHF 10.00 eine Broschüre, die auf 112 Seiten Texte und Übersichten aus der Ausstellung enthält.

cp

Kontakt:

https://www.fram-einsiedeln.ch/ausstellungen/

Mehr:

https://www.fram-einsiedeln.ch/wp-content/uploads/Flyer-Ein-himmlisch-Werk.pdf

https://www.kath.ch/newsd/museum-fram-zeigt-musikalische-schaetze-aus-dem-kloster-einsiedeln/

https://www.srf.ch/kultur/musik/musikbibliothek-einsiedeln-hinter-klostermauern-schlummern-musikalische-schaetze

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