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"IMI KNOEBEL - GUTEN MORGEN, WEISSES KÄTZCHEN"

"IMI KNOEBEL - GUTEN MORGEN, WEISSES KÄTZCHEN"

31.05.2018 Ausstellung im Haus Konstruktiv Zürich, bis am 2. September 2018


Bild: Imi Knoebel, Raum 19 III, 1968/2006, Batterie 2005, Ausstellungsansicht Museum Haus Konstruktiv, 2018. © 2018, ProLitteris, Zurich; IMI KNOEBEL (Foto: Stefan Altenburger)

Mehr als zwanzig Jahre nach seiner letzten Einzelausstellung in der Schweiz zeigt der international bekannte Künstler Imi Knoebel (*1940 in Dessau, lebt in Düsseldorf) eine gross angelegte Schau im Museum Haus Konstruktiv.

Ausgehend vom inhaltlichen Schwerpunkt des Zürcher Museums wurde eine Werkauswahl getroffen, die Knoebels Schaffen in einen Dialog mit dem historischen Erbe der konstruktiv-konkreten und konzeptuellen Kunst setzt. "Wir freuen uns sehr, nicht nur wichtige Schlüsselwerke, sondern auch eigens für die Ausstellung entstandene Arbeiten zeigen zu können", schreibt das Haus Konstruktiv.

Imi Knoebels künstlerische Laufbahn beginnt anfangs der 1960er-Jahre in Darmstadt. Dort besuchte er von 1962 bis 1964 die Werkkunstschule, wo er bei Hanns Hoffmann- Lederer, aufbauend auf den Konzepten der Bauhaus-Vorkurse von Johannes Itten und Lázló Moholy-Nagy, konstruktive und strukturale Kompositionsübungen fertigte. In Darmstadt lernte er auch Rainer Giese (1942-1974) kennen. Beide nahmen den Vornamen Imi an und agierten fortan als «IMI & IMI», wobei Imi eine Abkürzung von «Ich mit Ihm» war, eine Grussformel, die sich die beiden jungen Künstler beim Abschied zuriefen.

1964 zogen die beiden Imis nach Düsseldorf und studierten an der Kunstakademie zunächst bei Walter Breker in der Klasse für Gebrauchsgrafik. Ein Jahr später wechselten sie in die Klasse von Joseph Beuys, der in Raum 20 unterrichtete. Sie selbst beanspruchten einen eigenen Arbeitsraum, den sie anfangs noch mit Jörg Immendorff und Blinky Palermo teilten und der zur Keimzelle von Knoebels Schaffen werden sollte: Raum 19, nach dem Knoebel 1968 eines seiner Schlüsselwerke benannte. Die Tatsache, dass mittlerweile vier verschiedene Fassungen von Raum 19 existieren, zeugt davon, wie wichtig diese frühe Arbeit für das gesamte Schaffen Knoebels blieb.

Die dritte und grösste Version dieser Installation, Raum 19 III (1968/2006), bildet denn auch den Auftakt der Ausstellung im Museum Haus Konstruktiv. Angelegt als ortsspezifisches, gebautes Bild, besteht sie aus einem reichhaltigen Konvolut aus gestapelten und gereihten Hartfaserplatten, Raumkörpern, Winkeln und Keilrahmen.

Seit 2006 wird Raum 19 III zusammen mit dem Werk Batterie (2005) gezeigt - einem imposanten Kubus aus mit phosphoreszierender Farbe beschichteten Aluminiumplatten. In Kombination nähren sich die beiden Werke, laden sich gegenseitig auf.

Auch der 21-teilige Werkkomplex der sogenannten Kernstücke, die im vierten Stock präsentiert werden, bezeugt das Fortleben und die Weiterführung früher künstlerischer Überlegungen. Einige Arbeiten dieser Werkgruppe sind im selben Zeitraum entstanden wie Raum 19 und stehen in enger Verwandtschaft zu diesem, etwa im Einsatz von Hartfaser oder in der Anwendung von Gestaltungsprinzipien wie Schichtung, Reihung und Stapelung.

Mitte der 1970er-Jahre hielt die Farbe Einzug in Knoebels Œuvre, ein grundlegender Wandel, der in Zürich anhand von Werken wie Farbe (1975) oder Freie Form - Alle Farben (1976/2013/2014) nachzuvollziehen ist. Die Kernstücke können als eine Art künstlerisches, vom Prinzip her erweiterbares Alphabet gelesen werden, das die Grundprinzipien von Knoebels Kunstverständnis von den Anfängen bis heute veranschaulicht.

In den Ausstellungsräumen im dritten Stock werden ältere und jüngere Werke präsentiert. Hier wird deutlich, dass das kunsttheoretische und künstlerische Schaffen des russischen Suprematisten Kasimir Malewitsch (1878-1935) einen wichtigen Bezugspunkt darstellt. Die Ablehnung jeglicher Abbildfunktion und die sozialkritische Motivation, eine Kunst für einen zukünftigen Menschen zu entwickeln, waren auch dem jungen Imi Knoebel ein Anliegen. In Werken wie Braunes Kreuz (1968/2018), Zwei Drachen (2015) oder Kadmiumrot B (B1-B5) (1975/2018) ist seine anhaltende formalästhetische Auseinandersetzung mit Malewitsch zu erkennen.

Mit anderen Werkserien bezieht sich Knoebel in verstärktem Masse auf die amerikanische Farbfeldmalerei und den Minimalismus der 1960er- und 1970er-Jahre; so zum Beispiel, wenn er mit der in Rot, Gelb und Blau gehaltenen Arbeit Ich Nicht IV (2006) entschieden auf Barnett Newmans Frage «Who's Afraid of Red, Yellow and Blue?» antwortet und damit auch die Diskussion um die zentrale Rolle der Primärfarben für die Geschichte der Abstraktion im 20. Jahrhundert neu aufrollt. Überhaupt sind die Werktitel in Imi Knoebels Schaffen von Bedeutung: Sie greifen nicht nur in nüchtern deskriptiver Form Begriffe aus dem Kunstbereich auf, sondern sind auch subjektiv-persönlich gefärbt.

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden die im ersten Stock präsentierten neuen Arbeiten, unter denen sich sowohl mehrteilige als auch aus einer einzelnen freien Form bestehende Werke befinden. Wie Sabine Schaschl in ihrem Katalogbeitrag bemerkt, thematisiert Knoebel darin «die Möglichkeiten, mittels unterschiedlicher Farbschichten und Duktusstrukturen Bildraum zu schaffen, wobei das Zusammenspiel von offenen und geschlossenen Bildräumen besondere Spannungen hervorbringt.»

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje Cantz Verlag - mit Texten (d/e) von Sabine Schaschl, Max Wechsler und Beat Wismer sowie zahlreichen Werkabbildungen und Ausstellungsansichten.

Kuratiert von Sabine Schaschl

Kontakt:

http://hauskonstruktiv.ch/deCH/ausstellungen/current/imi-knoebel.htm

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