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"ISA GENZKEN - WERKE VON 1973 BIS 1983"

"ISA GENZKEN - WERKE VON 1973 BIS 1983"

20.09.2020 Ausstellung im Kunstmuseum Basel | Gegenwart & Neubau, bis am 24. Januar 2021


Bild: Isa Genzken in ihrem Studio, Düsseldorf, 1982 - Foto: Andreas Schön, © 2020, ProLitteris, Zurich

Isa Genzken, 1948 in Bad Oldesloe (Deutschland) geboren, gehört zu den bedeutendsten lebenden KünstlerInnen. Das Kunstmuseum Basel | Gegenwart macht mit seiner Ausstellung auf ihr herausragendes Frühwerk aufmerksam - eine Zeit, die bisher in keiner Institution konsequent gewürdigt wurde.

Mit ihrem Schaffen, das auch jüngere Generationen inspiriert und herausfordert, bewegt Genzken sich innerhalb unterschiedlicher Disziplinen wie Skulptur, Installation, Architektur, Fotografie, Film und Malerei. Dabei vermischt sie eine breite Palette an Medien, zum Beispiel Holz, Beton, Plexiglas, Metall, Textilien und Papier, die sie häufig mit gesammelten Alltagsgegenständen kombiniert. Das bewusste Erleben urbaner Architektur, die Offenheit für zeitgenössische Lebensformen und der Enthusiasmus für die Musik bilden wichtige Einfluss- und Inspirationsquellen für Genzken. Die Ausstellung soll die Aufmerksamkeit auf das herausragende Frühwerk lenken, das die Künstlerin im ersten Jahrzehnt ihrer Karriere formuliert hat.

In den letzten zehn Jahren haben etliche internationale Einzelausstellungen zahlreiche Facetten des Werkes von Isa Genzken beleuchtet. Dazu zählten sowohl spektakuläre Neupoduktionen als auch zeitlich breiter angelegte Überblicksausstellungen. Vor allem bei letzteren tauchte das Frühwerk der Künstlerin immer wieder auch in Ausschnitten auf. Jedoch ist eine vertiefte museale Aufarbeitung dieser Zeit noch ausständig.

Deshalb konzentriert sich das Vorhaben des Kunstmuseums Basel auf eine präzise Aufarbeitung der Jahre von 1973 bis 1983. In dieser Zeit scheint Genzkens Praxis auf den ersten Blick noch von der Auseinandersetzung mit den damals für die USA und Westeuropa massgeblichen minimalistischen und konzeptuellen Arbeitsweisen geprägt zu sein. Die Ausstellung zeigt jedoch auf, inwieweit ihr Frühwerk neben seiner vordergründig formal-abstrakten Orientierung mittelbar auch Fragen von Identität, Geschlecht und Gesellschaft vertieft.

Die Zeitspanne, welche die Ausstellung abdeckt, wurde nicht willkürlich auf die Dauer von zehn Jahren festgelegt. Vielmehr leitet sie sich aus dem Entstehungszeitraum zweier für die Präsentation und das Frühwerk konstituierender Werkgruppen ab: Dies sind zum einen die von 1973 bis 1976 entstandenen vielteilig angelegten Zeichnungsserien, die auf selbst definierten Handlungsvorschriften oder auf kinetischen Abfolgen beruhen. Zum anderen stehen - erstmals in grosser Zahl versammelt - die zwischen 1974 und 1983 datierenden Skulpturengruppen der Ellipsoide und Hyperbolos, die mittels ihrer subtilen Mathematik eine von subjektiver Schwere befreite Ästhetik vermitteln, im Zentrum der Schau.

Ein weiterer Fokus der Ausstellung ist auf die teilweise sehr grossformatigen Zeichnungen und Computerausdrucke auf Endlospapier gerichtet, die bei der Entwicklung der Ellipsoide und Hyperbolos eine wichtige Rolle spielten und an sich bereits von unschätzbarem künstlerischen Wert sind. Sie zeigen Genzkens Spiel mit algorithmischen Figuren und Denkansätzen. In der Ausstellung werden sie um vielteilige Zeichenserien ergänzt, die mittels ihrer Linienführung die geschwungene Horizontalfigur der genannten Skulpturen vorab erforscht haben. 

Das Interesse an industrieller Architektur sowie die Erforschung einer neuen technischen Konzeption des Kunstwerks waren zu Genzkens Studienzeit von 1973 bis 1977 für das Klima an der Düsseldorfer Akademie prägend. Wichtig für die ganz frühe Konstitution von Genzkens künstlerischer Praxis war auch die Begegnung mit Almir Mavigniers Punkt- und Rasterbildern sowie seinen kinetischen Kompositionen, die im Bereich der Op-Art und der geometrisch-konkreten Kunst verortet werden. In der ästhetischen Signatur der frühen Zeichnungsserien Genzkens werden dieser Hintergrund sowie ihre Auseinandersetzung mit der US-amerikanischen Konzeptkunst und Minimal Art sichtbar. Im Kontext der Sammlung des Kunstmuseums Basel mit seinen Minimalismus-Beständen soll deutlich werden, wie früh die Künstlerin die avanciertesten Tendenzen ihrer Zeit weiterentwickelt hat. 

Die Ausstellung präsentiert mehr als 60 Werke - darunter Zeichenserien von bis zu 120 Teilen - von 30 internationalen Leihgeberinnen und Leihgebern, darunter renommierte Museen und exklusive Privatsammlungen.Von Beginn an umfasst Genzkens Œuvre auch zeitbasierte Medien sowie fotografische Arbeiten. In der Ausstellung sind der frühe Film "Zwei Frauen im Gefecht" (1974) und die sogenannten Hi-Fi's (1979) zu sehen - eine Serie, in der Genzken kommerzielle Werbeanzeigen von damals führenden Musikabspielgeräte-Herstellern abfotografiert hat. Weitere umfangreiche Fotoserien werden anhand des Buches "Berlin" (1973) oder des Ordners "USA-Reise" (1977) gezeigt. Spätere skulpturale Werke wie Staffelei (1983) und Rheinbrücke (1983) kündigen Genzkens Abwendung von den strengen und zeitaufwändigen, immerhin drei bis vier Monaten andauernden Herstellungsabläufen der Ellipsoide und Hyperbolos an und beschliessen den zeitlichen Horizont der Ausstellung. 

Viele der Werke werden erstmals öffentlich präsentiert. Durch die herausragende Auswahl ist die Ausstellung in der Lage, künstlerische und biografische Entwicklungslinien im Frühwerk einer der wichtigsten lebenden deutschen Künstlerinnen zu vermitteln.

Ein umfangreicher Katalog mit Beiträgen von der Holberg-Preisträgerin Griselda Pollock, Jutta Koether und Simon Baier im Verlag der Buchhandlung Walther König begleitet die Ausstellung.

Die Ausstellung wurde konzipiert vom Kunstmuseum Basel in Kooperation mit der K21 Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen Düsseldorf.

kmb

Kurator: Søren Grammel

Kontakt:

https://kunstmuseumbasel.ch/

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