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"LUXUS AM NIL – SPÄTANTIKE KLEIDUNG AUS ÄGYPTEN"

"LUXUS AM NIL – SPÄTANTIKE KLEIDUNG AUS ÄGYPTEN"

25.04.2019 Sonderausstellung in der Abegg-Stiftung, Riggisberg, vom 28. April bis am 10. November 2019


Bild: Der Dekor der Tuniken spiegelt die Wünsche und Vorlieben ihrer Träger und Besitzer wider. Jagen und Fischen, Musik und Tanz, Kampfszenen und Sport, aber auch Episoden aus antiken Heldensagen bilden beliebte Themen. Nur gelegentlich finden sich auch christliche Motive unter den Darstellungen. | Detail eines runden Schmuckelements mit Fischer. Ägypten, 7. Jahrhundert, Wirkerei aus Leinen und Wolle, Inv. Nr 640, Abegg-Stiftung, https://abegg-stiftung.ch/collection/luxus-am-nil-spaetantike-kleidung-aus-aegypten-28-april-bis-10-november-2019/

Teure, extravagante Kleidung spielte schon vor 1500 Jahren im spätantiken Ägypten eine wichtige gesellschaftliche Rolle. Würde, Rang und Anspruch wurden damit zum Ausdruck gebracht. Aber wie machte man das am besten, wenn Alt und Jung, Gross und Klein dasselbe Gewand trugen? Die Antwort auf diese Frage findet sich in der neuen Sonderausstellung der Abegg-Stiftung: Sie präsentiert sowohl mehrere vollständige als auch einige in Fragmenten erhaltene Tuniken aus jener Zeit sowie zahlreiche kleinere Webstücke, die einst als individueller Schmuckbesatz auf die Einheitskleidung aufgenäht waren.

Die Abegg-Stiftung in Riggisberg besitzt eine bedeutende Sammlung von Textilien aus dem 3. bis 9. Jahrhundert, wovon das Museum nun zum ersten Mal in seiner Geschichte eine grössere Auswahl zum Thema Kleidung zeigt.

Dreh- und Angelpunkt der Ausstellung bildet ein auch heute noch bekanntes Kleidungsstück - die Tunika. Das einfache, weit geschnittene Gewand, das mit und ohne Ärmel vorkam, war das wichtigste Kleidungsstück im gesamten Mittelmeerraum. Die Tunika wurde von Frauen, Männern und Kindern aus allen Gesellschaftsschichten als Alltagskleid, Festtracht oder Uniform getragen. Ihren angestrebten Charakter erhielt sie nicht durch den Schnitt, er kam vielmehr durch die verwendeten Materialien, Farben und Verzierungen zum Ausdruck. Kostbare Seide oder alltägliches, grobes Leinen, teuer gefärbt oder naturbelassen sowie Anzahl und Feinheit der Dekorationen spiegelten den Wert einer Tunika.

Textile Schätze aus dem Wüstensand

Angesichts der heutigen kurzlebigen Modetrends mit ihrem ungeheuren Materialverschleiss steht man in der Ausstellung staunend vor den oft noch in leuchtenden Farben erhaltenen ägyptischen Textilien mit ihrer langen Geschichte. Dass sie nicht zerfielen, ist dem trockenen Wüstensand zu verdanken. Dort konnten die Gewänder, die aus so fragilen organischen Fasern wie Wolle, Seide und Leinen gefertigt sind, geschützt vor Feuchtigkeit und Licht die Jahrhunderte überdauern. Zudem trugen die Bestattungssitten dazu bei, dass diese Textilien so zahlreich "überlebten". Ab dem 3. Jahrhundert n. Chr. wurden in Ägypten die Toten nicht mehr einbalsamiert und in Bänder gewickelt, sondern in ihren Kleidern bestattet. Oft legte man ihnen auch mehrere Gewänder übereinander an, die viele Jahrhunderte später von den Archäologen wieder ausgegraben wurden.

In einem Stück gewebt

Blickfang der Ausstellung sind zwei vollständig erhaltene Wollgewänder von imponierender Grösse. Das eine ist eine leuchtend rote Tunika mit zwei lila-beige gemusterten Längsstreifen. Sie wird nicht etwa dreidimensional auf einer Figurine gezeigt, sondern flach ausgebreitet an der Wand präsentiert. So wird einerseits deutlich, wie riesig sie ist. Andererseits lässt sich damit der Herstellungsprozess veranschaulichen: die Tunika wurde mitsamt den Ärmeln in einem Stück gewebt. Dabei erfolgte der Webvorgang quer, das heisst von Ärmel zu Ärmel. Diese Methode setzte einen Webstuhl von mehr als zweieinhalb Metern Breite voraus. Die gemusterten Partien wurden direkt in den Stoff eingewebt. Entsprechend anspruchsvoll gestaltete sich das Weben eines solchen Kleidungsstücks.

Beim zweiten Gewand handelt es sich fast um ein Zwillingsstück zur roten Tunika. Es besteht aus einem schweren, beigefarbenen Wollgewebe, das unten mit einer breiten Kordel abschliesst. In den eingewebten purpurfarbenen Zierleisten sind kleinteilige Ranken mit tanzenden Figuren und allerlei Tieren dargestellt. Auch diese Tunika wurde in einem Stück gewebt. Sie präsentiert sich jedoch dreidimensional auf einem T-förmigen Ständer, der das kostbare Kleidungsstück überall gut stützt.

Wie fühlte es sich wohl an, dieses extrem weite Gewand zu tragen? Verhedderte man sich nicht bei jeder Bewegung in den Stoffmassen, und sah man darin nicht wie ein wandelnder Vorhang aus? Eine Illustration gibt die entsprechenden Hinweise. Entscheidend sind die überaus schmalen Ärmel. Sie lagen an den Armen eng an und gaben dadurch der ganzen Tunika den nötigen Halt, indem sie dafür sorgten, dass sich der Stoff dekorativ über den Schultern bauschte und so den Eindruck eines zweiten, darüberliegenden Gewandes erweckte. Vorder- und Rückenteil überlappen sich an den Seiten. Die breite Kordel am unteren Rand liess das Gewand nach vorne und nach hinten abstehen, so dass es auch in Bewegung die gewünschte Form behielt und bequem zu tragen war.

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Bild: Das wichtigste Kleidungsstück der Spätantike war die Tunika: ein gerade geschnittenes Gewand, das mit und ohne Ärmel vorkam. Die Seiten waren oft nur stellenweise zusammengenäht. Als Halsöffnung diente meist ein einfacher Querschlitz. Die Tunika wurde von Männern wie von Frauen getragen. Sie war Hauskleid, Arbeitstracht und Soldatengewand zugleich. | Ärmellose Tunika. Ägypten oder östlicher Mittelmeerraum, 1.-2. Jahrhundert, Wollgewebe, Inv. Nr. 4219, Abegg-Stiftung, https://abegg-stiftung.ch/collection/luxus-am-nil-spaetantike-kleidung-aus-aegypten-28-april-bis-10-november-2019/

Zeitlose Eleganz

Von weniger spektakulären Dimensionen, aber mindestens so interessant ist eine breite, ärmellose Tunika aus dem 1. bis 3. Jahrhundert. Aus dieser frühen Epoche gibt es nur ganz wenige derart gut erhaltene Gewänder. Die Tunika besticht durch ihr feines orangefarbenes Wollgewebe mit dezentem Würfelmuster. Einen dekorativen Kontrast dazu setzen die eingewebten purpurfarbenen Zierstreifen, die von den Schultern nach unten zum Saum verlaufen. Das überraschend elegante und zeitlose Gewand blieb seitlich offen und wurde über der Hüfte durch einen Gürtel zusammengerafft. Durch die Stofffülle entsteht der Eindruck von Halbärmeln, die bis zu den Ellbogen reichen. Für die Ausstellung liegt die Tunika rundum gestützt auf einem speziell angefertigten Ständer, der den natürlichen Fall des Stoffes in etwa wiedergibt.

Reizvolle Schmuckbesätze

Während die mehr oder weniger vollständig erhaltenen Tuniken im Zentrum des Ausstellungssaales in Vitrinen gezeigt werden, befinden sich an den Wänden vor allem kleinere Stücke, entweder Gewandfragmente oder Zierbesätze, die einst auf die Tuniken appliziert waren. Hier wird die ganze Vielfalt des ornamentalen Schmucks sichtbar: von farbigen Streifen, die an Vorder- und Rückseite von den Schultern nach unten verliefen, über kreisrunde Medaillons oder rechteckige Felder, die über den Schultern oder in Kniehöhe angebracht waren, bis zu aparten Borten am Halsausschnitt und an den Ärmelenden.

Es lohnt sich, die Besätze genauer zu betrachten. Neben geometrischen Mustern und floralen Motiven finden sich darauf sehr oft reizvolle figürliche Szenen, wie zum Beispiel Meeresnymphen, die auf Delphinen reiten oder mit einem Lendenschurz bekleidete Fischer, die - umgeben von Vögeln, Hasen, Fischen und Schnecken - zwei Fische an der Angel haben. Auch Jäger und Raubtiere, Tänzerinnen und Athleten sind zu sehen. Zumeist haben die menschlichen Figuren im Verhältnis zum Körper übergrosse, ausdrucksstarke Gesichter, die jedem modernen Comic zur Zierde gereichen würden.

Seide und Farbe als Luxusmerkmale

Die meisten Tuniken waren aus Leinen und wurden mit Schmuckbesätzen aus Leinen und Wolle verziert. Aber auch Bekleidungen aus Wolle scheinen verbreitet gewesen zu sein, während solche aus Seide die absolute Ausnahme bildeten. Letztere galten als Inbegriff von Pracht und Reichtum. Wie kein anderes Kleidungsstück vermochten sie dem Träger Prestige und Exklusivität zu verleihen. Schon ihr Ausgangsmaterial, die Rohseide, bildete ein Luxusgut von höchstem Rang. Sie musste bis ins 6. Jahrhundert aus Indien oder China importiert werden. Waren seidene Gewänder schon in der Spätantike sehr selten, so sind naturgemäss noch weniger dieser kostbaren Objekte bis heute erhalten geblieben.

In der Ausstellung sind einige in ihrer Art einzigartige Tunikafragmente aus gemusterten Seiden zu bewundern. Besonders eindrucksvoll ist ein grün-beiges Gewebe mit feingliedrigem Muster. Sein Dekor zeigt Reihen von Medaillons, die von verschlungenen Bändern gebildet werden. Das Innere nehmen Darstellungen von Eroten ein - knabenhafte Verkörperungen des antiken Liebesgottes Eros. Sie halten Früchtekörbe, Hasen, Vögel oder Rohrflöten in den Händen.

Ein weiteres Luxusmerkmal stellen die Farben dar. Um die textilen Fasern zu färben brauchte es pflanzliche Farbstoffe wie Krapp und Indigo oder tierische Färbemittel wie die Lackschildlaus oder das Sekret der Purpurschnecke. Ihre Gewinnung war aufwändig, und entsprechend teuer wurden sie verkauft. Deshalb konnte sich nicht jeder eine farbige Tunika leisten. Die meisten Menschen mussten sich mit einem Stoff aus ungefärbtem Garn begnügen und werteten ihre Tunika dann mit einzelnen farbigen Schmuckbesätzen auf.

Eine Kindertunika mit Strichmännchen

Den Abschluss der Ausstellung bildet ein kleineres Gewand. Es handelt sich um eine Kindertunika aus ungefärbtem Leinen mit roten Schmuckelementen. Diese zeigen ein Muster aus fröhlichen Strichmännchen, die an liebenswerte Kinderzeichnungen erinnern. Ob die "Kritzelfigürchen" bewusst an der Kleidung für das Söhnchen oder das Töchterlein angebracht wurden - wer weiss?

Die Kindertunika gehört dem Museum August Kestner in Hannover und wurde der Abegg-Stiftung zur Restaurierung anvertraut. Sie ist nur während diesem Sommer in Riggisberg ausgestellt und ergänzt die Bestände der Abegg-Stiftung um ein weiteres Highlight der spätantiken Textilkunst.

cp

Kontakt:

https://abegg-stiftung.ch/collection/luxus-am-nil-spaetantike-kleidung-aus-aegypten-28-april-bis-10-november-2019/

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Bild: Anders als heute äusserte sich der luxuriöse Charakter der Kleidung nicht in raffinierten Schnitten oder extravaganten Formen, sondern in der Kostbarkeit der verwendeten Farben und Materialien. Seide, Purpur und Gold nahmen dabei die erste Stelle ein. Aber auch kunstvolle Wirkereien aus Wolle und Leinen waren hochbegehrt. | Tunika mit gewirktem Besatz. Ägypten, 5.-7. Jahrhundert, Wollgewebe und Wirkerei aus Leinen und Wolle, Inv. Nr. 5434, Abegg-Stiftung, https://abegg-stiftung.ch/collection/luxus-am-nil-spaetantike-kleidung-aus-aegypten-28-april-bis-10-november-2019/

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