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"MAKING FASHION SENSE"

"MAKING FASHION SENSE"

18.01.2020 Ausstellung Haus der elektronischen Künste (HeK) Basel, bis am 8. März 2020


Bild: Clara Daguin, Aura Inside, 2018

Zum Jahresbeginn befasst sich die Ausstellung "Making FASHION Sense" mit der radikalen Verwandlung von Mode durch Technologie. Roboterarme und Mixed Reality, Hologramme und Drohnen sind auf den internationalen Laufstegen längst in Erscheinung getreten. "Making FASHION Sense" thematisiert die grundlegende Transformation der kreativen Prozesse im Modebereich durch Technologie sowie die künstlerischen Bestrebungen zu mehr Nachhaltigkeit: Mode, die Sinn macht.

Die Ausstellung erkundet Technologie als transformatives Instrument sowohl für KünstlerInnen und DesignerInnen als auch für die TrägerInnen von Kleidung; es geht um die Neuerfindung des Modemachens an sich. Hyperfunktionelle Materialien, welche unsere biometrischen Daten überwachen, gehören ja - insbesondere im Bereich Sport - schon zum Alltag.

Diese Ausstellung befasst sich mit KünstlerInnen und DesignerInnen, welche experimentelle "Augmented Fashion"-Objekte entwickeln, die zu einer neuen Wahrnehmung unseres Umfelds, zu menschlicher Interaktion, und zum Nachdenken inspirieren.
 Kreative Modeprozesse regen durch eine neue Materialität die menschlichen Sinne an und eröffnen neue Perspektiven, welche im gegenwärtigen geopolitischen Kontext Sinn ergeben.

Kleidung kann ermutigen, trösten oder körperliches Unbehagen auslösen. Kleidungsstücke können uniformierte Monotonie verstärken oder künstlerische Fantasie anregen. Wie bringen programmierbare Kleidungsstücke unsere Körper zum Ausdruck? Verändert Modetechnologie nicht nur unsere Bewegungen, unser Wohlbefinden und unsere Wahrnehmung unserer Mitmenschen, sondern auch unsere kreativen Perspektiven? Kann uns Modetechnologie vor und in einer dystopischen Zukunft schützen - oder verzerrt sie unsere Weltempfindung?

KünstlerInnen und DesignerInnen zeigen Mode, welche durch Technologie nicht nur Silhouetten verändert, sondern auch Produktionssysteme. Basierend auf einer nachhaltigen Produktionsethik entwickeln sie eine neue, sinnvollere Mode-Semantik. Einige Arbeiten sind neu für den Kontext der Ausstellung entstanden, so die neuen Werke von Freya Probst, BioBabes und TheKnitGeekResearch.

Kuratorinnen:

Sabine Himmelsbach und Katharina Sand

KünstlerInnen und DesignerInnen:

Alfatih, Salome Asega, Robbie Barrat, BioBabes, Hussein Chalayan, Carole Collet, Clara Daguin, Charleen Elberskirch, Clara Escalera, Ying Gao, Christophe Guberan, Adam Harvey, Jun Kamei, Kazuya Kawasaki, Flora Miranda, Yuima Nakazato, Freya Probst, Ling Tan, TheKnitGeekResearch, Giulia Tomasello, Iris van Herpen.

iris van herpen

Bild: Iris van Herpen, Mirror Dress (Voltage Collection), 2013, Foto: Michel Zoeter / Courtesy of Iris van Herpen, Model: Valery Kaufman

Ausgestellte Werke:

Mit "BASE" (2019) hat der Schweizer Designer Alfatih für sein Diplom an der Ecole cantonale d'art de Lausanne (ECAL) ein Modekonzept geschaffen, das vor allem in digitalen Räumen seine Entfaltung findet und dafür ein alternatives Wirtschaftsmodell anbietet. Das Projekt besteht aus einer Sammlung von Filtern für Instagram/Snapchat, einer Reihe von Kleidungsstücken, die für Avatare im Spiel Grand Theft Auto verwendbar sind, einer interaktiven Installation/Performance, die das Konzept der Marke BASE präsentiert.

Die amerikanische Künstlerin Salome Asega befasst sich durch "IYAPO Repository" (2019) mit Zukunftsdenken, Identität und Diversität. Der mit einem Video vorgestellte interaktive "Sensory Suit" ist Teil dieser Ressourcenbibliothek technologischer Artefakte und Designkreationen, welche sie durch partizipative Workshops mit TeilnehmerInnen afrikanischen Ursprungs entwickelt.

Robbie Barrat (USA) hat für "Neural Network Balenciaga" (2018) eine Kleiderkollektion mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz (KI) entworfen, anhand von bestehenden Designs des Modelabels Balenciaga. Durch die eingegebenen Bilder erlernte ein programmierter Algorithmus verschiedene Schnitt- und Stoffmuster sowie Farben zu erkennen, um daraus wiederum neue Designs zu generieren. Das experimentelle Potenzial von und mit KI generierten Fashiondesigns entwickelte er mit einer Kleiderkollektion für Mushbuh.

Das multi-nationale KünstlerInnen-Kollektiv BioBabes (Thora H Arnardottir, Noor El-Gewely, Jessica Dias, Ingried Ramirez) nutzt die Wissenschaft der Biologie als Basis ihrer innovativen Kleiderdesigns. Als Designerinnen arbeiten sie mit einer Reihe von Materialien und Herstellungsverfahren, zu denen lebende Organismen und organische Stoffe gehören. Sie arbeiten daran, den aufkommenden Bereich der Biofabrikation und des Biodesigns einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Für die Ausstellung entwickeln sie eine neue Arbeit, die zum ersten Mal gezeigt wird.

Technologie und Transformation sind Leitmotive für den britischen Modeschöpfer, Designer und Konzeptkünstler türkisch-zyprischer Herkunft Hussein Chalayan. Anhand wasserlöslicher Kleidung beschäftigt er sich in seiner Kollektion "Pasatiempo" (SS 2016) mit Innovation, Vergänglichkeit und Materialität. Auf dem Laufsteg der Fashion Week Paris SS/ Spring Summer 2016 lösten sich weisse, uniformähnlichen Kleider unter intensiven Wasserbeguss auf und enthüllten eine darunterliegenden 3D-Stofftextur.

Die britische Designerin Carole Collet forscht an der Schnittstelle von Biowissenschaften und Design, um neue nachhaltige Modelle der Biofabrikation zu entwickeln. Ihr in der Ausstellung gezeigtes Projekt "Biolace" (2019) präsentiert Pflanzen, aus deren Wurzeln Stoffe wachsen. Pflanzen werden zu lebendigen Maschinen, die in naher Zukunft als Mehrzweckfabriken genutzt werden können, indem sie nicht nur Lebensmittel produzieren, sondern mittels synthetischer Biologie auch für die Stoffproduktion angewandt werden können.

Clara Daguin ist eine französische Designerin, die in ihren Kollektionen darauf fokussiert, Technologie und manuelles Savoir-faire in Einklang zu bringen. "Aura Inside" (2018) ist ein Hybrid aus Kleidungsstück und interaktiver Kunstinstallation. Die handbestickte Silhouette des Kleides, deren Motive inspiriert sind von der Idee des Unendlichen und Immateriellen, reagiert mittels Temperatursensoren auf die Wärme des Körpers und bringt gleichsam die Aura der TrägerInnen zum Strahlen.

Im Werk "Standard T" (2019) von Charleen Elberskirch, ihrer Diplomarbeit am Studiengang Masterstudio Design der Hochschule für Gestaltung und Kunst FHNW in Basel, vereinen sich kritisches Denken, wissenschaftliche Erkenntnis und ästhetische Erfahrung. Das T-Shirt dient sowohl als Recherche-Werkzeug, als auch als Vehikel, um die komplexe Matrix von Zusammenhängen der Fast Fashion Industrie sicht-, spür- und sogar bedingt tragbar zu machen. Dabei fungieren im Rahmen einer globalen Recherche gesammelte Daten als Rohstoff für die Gestaltung der Form und der Geschichte des Artefakts.

Die spanische Künstlerin Clara Escalera erschafft in "Hyperstition" (2018) mit Hilfe von Augmented Reality Fashiondesigns, die experimentell und spielerisch die Grenzen von Modekreationen ausloten. "Hyperstition" ist losgelöst von jeglichen stofflichen Einschränkungen und changiert zwischen virtuellem und realem Raum. Identitäten werden durch zusätzliche Schichten des Fiktiven ergänzt und modifiziert, weshalb sich die Künstlerin unter anderem als Identitätsdesignerin der Zukunft versteht.

Durch integrierte Sensoren reagiert die Kleidungsinstallation "flowing water, standing time" (2019) der in Quebec lebenden Schweizer Künstlerin Ying Gao auf das Farbspektrum ihrer Umgebung. Die international renommierte Künstlerin versetzt Kleidung dadurch in einen Chamäleon-artigen, fliessenden Wechselzustand zwischen Immobilität und Bewegung, zwischen Sein und Werden.

"Active Shoes" (2019) von Christophe Guberan, einem Schweizer Designer, gehört zu seiner Serie der "active textiles", welche Technologie einsetzt, um herkömmliche Produktionsprozesse radikal zu hinterfragen. Er entwickelt durch das Bedrucken von Stretchtextilien in unterschiedlichen Schichtdicken selbsttransformierende Strukturen, die sich auf vorprogrammierter Weise umkonfigurieren.

Die kritische Auseinandersetzung mit der zunehmend ansteigenden Zahl an Überwachungssystemen macht auch vor der Mode keinen Halt. "Stealthwear" (2012-2018) ist eine Kollektion des amerikanischen Künstlers Adam Harvey, die durch versilbertes Gewebe Wärmestrahlung reflektiert und somit vor thermischen Überwachungssystemen schützt.

"Amphibio" (2019) ist ein 3D gedrucktes amphibisches Kleidungsstück des japanischen Designers Jun Kamei, das als Kieme dient. Das spekulative Projekt des japanischen Designers befasst sich mit dem durch den Klimawandel steigenden Meerespiegel und ermöglicht dank innovativen Materialprozessen den Menschen das Atmen unter Wasser.

Mit "Algorithmic Couture" (seit 2018) verfolgt der japanische Designer Kazuya Kawasaki mit seinem Kollektiv Synflux das Ziel eines Zero Waste Fashion Designs für eine nachhaltigere Zukunft. Mithilfe eines Algorithmus und 3D-CAD-Programms werden automatisch Zero Waste Schnittmuster erstellt, die auf Mass individuell angepasst werden können. Mit diesen technischen Innovationen soll die auf ein exklusives Kundenpublikum beschränkte Massanfertigung revolutioniert und für ein breites Publikum zugänglich gemacht werden.

Die österreichische Modedesignerin Flora Miranda zeigt ein Kleid aus ihrer "Deep Web Collection" (2019), einer Visualisierung ihres ganz eigenen Ansatzes für die Idee des maschinellen Lernens und widmet sich der Erklärung des Prozesses, einer Maschine beizubringen, was Kleidung ist und wie sie hergestellt wird. Die Kleider reproduzieren die Stereotypen von Weiblichkeit, spielen mit der strengen Kategorisierung, die ein Computer impliziert, und der Art und Weise, wie Computer mit einer Vielzahl von Geschlechtern umzugehen versuchen.

Der japanische Designer Yuima Nakazato entwickelt für seine Haute Couture Kollektionen nachhaltige Produktionsmethoden. Für seine "Hamonize Collection" (2018) recycelt er nicht nur bestehende Industriematerialien und Produkte - sein "Unit Constructed Textile"-Konzept erlaubt auch den Ersatz von verschiedenen Entwurfsbausteinen und neue Zusammenstellungen. Eine Harmonisierung nach dem Motto "Ein kleiner Schritt für den Menschen, ein grosser Sprung für die Menschheit."

Die chinesisch-deutsche Künstlerin Freya Probst präsentiert in ihren "Wurzelwerken" (2019) wurzelbasierte Kleidungsstücke. Aus einer spielerischen Interaktion und dem Experimentieren mit Pflanzen entstanden Objekte, bei denen das Wachstum von Wurzeln auf grössere Oberflächen und Schnittmuster übertragen wurde. Die Kleider zeigen eine Ästhetik natürlicher Strukturen, die nicht vom Menschen kopiert werden können.

Ling Tan ist eine britische Designerin und Softwareentwicklerin, die sich in ihrer Forschung auf Social Wearables und Community-Beteiligung spezialisiert hat. "Supergestures" (2019) ist ein partizipatives Projekt, das in Manchester von einer Gruppe von Beteiligten durchgeführt wurde und das die Beziehung zwischen dem urbanen Raum und deren Auswirkungen auf das tägliche Leben der Menschen mit Hilfe von tragbaren Technologien untersucht.

Das Schweizer Kollektiv TheKnitGeekResearch, das an der Haute école d'art et de design (HEAD-Genève / HES-SO) in Genf angesiedelt ist, untersucht kreative Ansätze für Strickprozesse und Alternativen zu den industriellen Massenproduktionsmethoden und -maschinen. Es erprobt hybride Herstellungsweisen zwischen handwerklicher Arbeit und automatisierter Anfertigung, welche die Produktionswerkzeuge wieder in die Hände der ModedesignerInnen legen. In der Ausstellung werden mit einer gehackten Vintage- und einer neu entwickelten Strickmaschine Besucherkommentare zur Ausstellung live gestrickt.

Giulia Tomasello ist eine auf Frauengesundheit spezialisierte italienische Interaktionsdesignerin, die Biotechnologie, interaktive Kleidung und Innovation kombiniert. In der Ausstellung werden ihre Projekte "Fheel" (2014), ein 3D gedruckter Schuh, der die Körpertemperatur kontrolliert und auf Wetteränderungen reagiert und "Future Flora" (2019) präsentiert, ihre aktuelle Forschung zum Thema Mode und Gesundheit und körperliches Wohlbefinden.

Die holländische Designerin Iris van Herpen gilt als Pionierin der zeitgenössischen Mode. Für ihre Kreationen nutzt sie Technologie sowohl konzeptuell als auch für die Konstruktion ihrer skulpturalen und avantgardistischen Kleidungsstücke. In ihrer Haute Couture-Show "Voltage" übersetzte sie elektrische Spannung in Kleidung. Das "Mirror Dress" (2013) der Kollektion präsentiert ein frühes Werk der Künstlerin im Experimentationsfeld von Mode und Technologie.

Die Forschungsgruppe Produkt & Textil der Hochschule Luzern (HSLU) präsentiert im Rahmen der Ausstellung einen Materialraum mit innovativen Textilien und Garnen an den Schnittfeldern von Design, Technologie, Materialität und Nachhaltigkeit.

Vermittlungsaktivitäten und Begleitprogramm

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm begleitet. Es finden regelmässig Führungen in deutscher, englischer und französischer Sprache statt. Jeden Sonntag während der Ausstellung findet um 15 Uhr eine kostenlose Führung statt.

hek

Kontakt:

https://www.hek.ch/#

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yuima nakazato

Bild: Yuima Nakazato, Harmonize Collection, 2018, Foto: Shoji Fujii

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