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"MARTIN STÜTZLE UND FRIDOLIN WALCHER. DES GLETSCHERS KERN"

"MARTIN STÜTZLE UND FRIDOLIN WALCHER. DES GLETSCHERS KERN"

12.01.2020 Ausstellung im Kunsthaus Glarus, bis am 1. März 2020


Bild: Zerfallender Eisberg, Nordwestgrönland, Foto: © Fridolin Walcher, https://www.gl.ch/public-newsroom/details.html/31/news/11199

Grönland ist die grösste Insel der Welt; mehrheitlich ist sie mit einer ganzjährig ausgedehnten und dicken Eisschicht bedeckt. Dieser sogenannte grönländische Eisschild umfasst ein Volumen, dessen Quantifizierung von 2,9 Millionen Kubikmetern das durchschnittliche räumliche Vorstellungsvermögen des Menschen übersteigt.* Ausmalen können wir uns hingegen eine unendliche, weisse Weite. Bis zum Horizont nur Schnee - eine Fläche, die scheinbar kein Ende nimmt. Eine Landschaft, die so unberührt und urtümlich ist, dass sie fast künstlich, wie ein Rendering erscheint, frei von Spuren von Leben und Zivilisation. Grönland zählt zu den am wenigsten besiedelten Ländern der Welt.

Die ersten wissenschaftlichen Gletschermessungen wurden 1914 vom Schweizer Geophysiker und Meteorologen Alfred de Quervain - bekannt geworden durch seine beiden Grönlandexpeditionen 1909 und 1912 - am Glarner Claridengletscher vorgenommen. Seit über hundert Jahren wird einmal im Frühjahr und im Herbst die Schneedecke gemessen. Erfasst wird damit, wie viel Schnee im Winter gefallen ist und wie viel davon im Sommer wieder schmilzt.

Diese Langzeitdatenerfassung ist weltweit die einzige, die mehr als hundert Jahre zurück geht. Während der winterliche Schneezuwachs über die Jahre ungefähr konstant geblieben ist, ist die Sommerschneeschmelze intensiver geworden. Seit über dreissig Jahren schrumpft der Claridengletscher stetig. In weiteren hundert Jahren wird er vermutlich verschwunden sein.

Zusammen mit Klima- und EisforscherInnen aus der Schweiz sind die beiden Glarner Künstler Martin Stützle (*1959, lebt und arbeitet in Ennenda) und Fridolin Walcher (*1951, lebt und arbeitet in Nidfurn und Linthal) im Mai 2018 nach Grönland gereist. Eine interdisziplinäre Gruppe von Schweizer WissenschaftlerInnen, WirtschaftsvertreterInnen, DiplomatInnen und die beiden Künstler waren dazu eingeladen, die zwei arktischen Forschungsstationen der Schweiz, Swiss Camp und East GRIP, zu besuchen und sich auszutauschen. Sie reisten weiter, weit über die Zivilisationsgrenze zum Humboldt- und zum Petermanngletscher bis zum 81. nördlichen Breitengrad.

Aufgrund der vor Ort entstandenen Recherchen und ihren Eindrücken erstellten die beiden Künstler im letzten Jahr eine Serie von Werken, die in der Ausstellung im Kunsthaus Glarus erstmals zu sind.

Fridolin Walcher zeigt eine Serie von grossformatigen Landschaftsfotografien aus Grönland und dem Glarnerland. Panoramen von endlosen Eisflächen und romantisch-dystopischen Eisbergen in der Mitternachtssonnne stehen abstrakt wirkenden Detailansichten von vom Wind gezeichneten Schneeoberflächen und zerfurchten Gletscherzungen des Biferten- und Claridengletschers gegenüber.

Diesen menschenleeren und spürbaren Dimensionen der Weite aber auch des Rückgangs haftet trotz der Schönheit etwas Ungeheures an.

Martin Stützle legt den Fokus in seinen Radierungen und Monotypien auf die Ästhetik der Formen und ihre wortwörtlichen Bruchstellen. In diesen auf kleinen Skizzen basierenden Darstellungen werden sie abstrahiert und enthüllen die monströsen Eisberge und -decken gleichzeitig als fragile Gebilde. Eine monumentale Anordnung von Monotypien zeigt eine von Rissen durchzogene Eisoberfläche.

Diesen Druckgrafiken gegenüber steht eine Reihe von Fotografien, die Martin Stützles Performances vor Ort zeigen. Ohne Zuschauer und nur für einen kurzen Moment entstanden in dieser Eiswüste ephemere Skulpturen aus leichtem Stoff, nur durch den Wind in Form gebracht.

Eine neue Installation konzipieren die beiden Künstler gemeinsam für den Seitenlichtsaal. Eine skulpturale Anordnung von Raumkörpern lässt an Eisberge denken und versperrt den Durchblick im Raum. Auf diesen Architekturen von Martin Stützle zeigt Fridolin Walcher Fotografien von Menschen und vom Leben in Kullorsuaq, einem grönländischen Inuit-Dorf, das zu den am nördlichsten gelegenen Besiedlungen der Welt zählt. Im Anschluss an die Expedition verbrachten die Künstler dort drei Wochen, um die Arktis auch als alltäglichen Lebensraum kennenzulernen. Eingestreut in diese nordischen Lebenssituationen sind Porträts von Glarner Bauern und Fischern in Südindien: Dort ein Alltag geprägt durch die sich wandelnden Bedingungen des ewigen Eises, hier durch das veränderte Klima oder durch den steigenden Meeresspiegel.

Zum Projekt erscheint eine Publikation beim Verlag Scheidegger & Spiess.

Martin Stützle (*1959, lebt und arbeitet in Ennenda) absolvierte eine Ausbildung an der Schule für Gestaltung Bern und eine Lehre als Steinmetz in Bern. Danach folgten Studien an der Universität Zürich sowie Weiterbildungen an der Pentiment - Internationale Sommerakademie für Kunst und Design der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg (HAW) und in anderen Institutionen. Er ist mit Arbeiten im öffentlichen Raum und in Kirchen an verschiedenen Orten der Schweiz hervorgetreten. Seine Grafiken und Fotografien sind in Sammlungen, Stiftungen und Museen in der Schweiz, in Schweden und in Deutschland vertreten, unter anderem im Kupferstichkabinett Berlin / Staatliche Museen zu Berlin (SMB).

Die Werke von Fridolin Walcher (*1951, lebt und arbeitet in Nidfurn und Linthal) sind in diversen Sammlungen und Museen, etwa in der Fotostiftung Schweiz, und im öffentlichen Raum vertreten. Fridolin Walcher zeigte unter anderem an der Expo.02 Baustelle Heimat (2002) und veröffentlichte die Bücher Von Glarus nach Belo Horizonte (NZZ Libro, 2007), Vertikale Ebenen (Helden, 2010) und Hunger nach Gerechtigkeit (Helden, 2011). Für Pyramiden am Berg (Ausstellung und Hochparterre-Themenheft, 2016), in der er das Bauen in den Hochalpen unter der Maxime des technisch Machbaren untersuchte, wurde er 2017 mit dem Ostschweizer Medienpreis ausgezeichnet.

Diese Ausstellung ist Teil einer alle zwei Jahre stattfindenden Serie von Ausstellungen, die Themen und Positionen des Glarner Kunstschaffens fokussiert.

khg

Kontakt:

https://kunsthausglarus.ch/de/ausstellungen/aktuell/

http://walcherbild.ch/index.php?id=8

http://www.martinstuetzle.ch/home

#KunsthausGlarus #MartinStützle #FridolinWalcher #DesGletschersKern #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

*Konrad Steffen, Grönland und der Meeresspiegel, in: The Glacier's Essence. Grönland - Glarus: Kunst, Klima, Wissenschaft, Verlag Scheidegger & Spiess, Zürich 2020, S.175-176.

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Nachtrag:

"Des Gletschers Kern" - Kunst für den Klimaschutz in Glarus

Zwei Glarner Künstler bringen die Schönheit von Grönland nach Glarus. Sie wollen aufzuzeigen, was durch den Klimawandel verloren gehen könnte.

Fernsehen SRF 1, "Schweiz aktuell", 13.1.2020, 19 Uhr

https://www.srf.ch/play/tv/schweiz-aktuell/video/des-gletschers-kern---kunst-fuer-den-klimaschutz-in-glarus?id=7b92fc5e-d273-4320-80c2-f50b9d22d322

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