BÜRO DLB - IDEE-REALISATION-KOMMUNIKATION
Daniel Leutenegger, Bulliard 95, CH-1792 Cordast, Tel +41 (0)26 684 16 45 (nachmittags), Fax +41 (0)26 684 36 45, www.buero-dlb.ch

BÜRO DLB - IDEE-REALISATION-KOMMUNIKATION
Daniel Leutenegger
Bulliard 95
CH-1792 Cordast
Tel +41 (0)26 684 16 45 (nachmittags)
Fax +41 (0)26 684 36 45
E-Mail
www.buero-dlb.ch

"SCHWEIZER MEDIENKUNST: KNOWBOTIQ, ALAN BOGANA, FÉLICIEN GOGUEY"

"SCHWEIZER MEDIENKUNST: KNOWBOTIQ, ALAN BOGANA, FÉLICIEN GOGUEY"

04.06.2020 Ausstellung im Haus der elektronischen Künste, Basel, bis am 2. August 2020


Bild: knowbotiq, "Thulhu thu thu, before the sun harms you", Timespan Arts Center, Helmsdale/Scotland, 2019, copyright: knowbotiq

Die Ausstellung "Schweizer Medienkunst: knowbotiq, Alan Bogana, Félicien Goguey" zeigt die Arbeiten der PreisträgerInnen der Pax Art Awards 2019. In ihren Werken reflektieren die Schweizer KünstlerInnen sehr unterschiedliche wie hochaktuelle Themen. Das Künstlerduo knowbotiq stellt postkoloniale Fabulationen vor, Félicien Goguey widmet sich kritisch den Mobilfunknetzen und Überwachungssystemen und Alan Bogana hinterfragt mit seinem poetischen und konzeptuellen Spiel mit Licht unsere Wahrnehmung. Damit gelingt es den PreisträgerInnen, brisante Fragen und Dynamiken in Bezug auf die Entwicklung von Technologien und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft zu verhandeln. Die Ausstellung stellt jede(n) der PreisträgerInnen und ihre Kunstwerke gleichermassen in den Mittelpunkt im Sinne von drei eigenständigen Soloausstellungen.

Mit ihren visuell eindrucksvollen Installationen verweben knowbotiq (bestehend aus Yvonne Wilhelm und Christian Hübler) Geschichten über postkoloniale Gewalt, algorithmische Gouvernementalitäten und techno-ökologische Fragestellungen. Ihre jüngste Arbeit Swiss Psychotropic Gold, the Molecular Refinery (2020), die zum ersten Mal gezeigt wird, ist eine multimediale Installation, die die Nachforschungen der Künstler über die Herkunft, die Raffinerie und den Verkauf von Gold verarbeitet.

Während sich die früheren Teile der Serie Swiss Psychotropic Gold auf die sozio-politischen Realitäten und die ökologischen Auswirkungen des Goldabbaus, der Goldraffinerie und des Goldhandels konzentrierten und dabei die bedeutende Rolle der Schweiz in dieser Industrie hervorhoben, konzentriert sich die neue Arbeit hauptsächlich auf die Verwendung von Gold als Konsumgut für wohlhabende Kunden. Insbesondere untersucht das Künstlerduo das angeblich psychotrope Potenzial von Gold, das laut alchemistischer Lehre Menschen von Schuld befreien soll.

Amazonian Flesh (2018-2019), ebenfalls in der Ausstellung zu sehen, ist eine immersive Installation aus einem Geflecht von Kabeln, Bots und digitalen Artefakten. In kollektiver Untätigkeit schlüpfen die BesucherInnen in die Rolle von ArbeiterInnen globaler Unternehmen. Sie können auf Hängematten sitzen oder schlafen, die in der Installation integriert sind. In intimen Hörsituationen werden die BesucherInnen von den Bots, die für die Automatisierung der Arbeit verantwortlich sind, motiviert, die Lohnarbeit für immer aufzugeben.

Ein weiteres Werk, Thulhuthu thu before the sun harms you (2019-2020), ist ein Langzeitprojekt über das Flow Country, ein grosses Gebiet im Norden Schottlands, in dem der Boden durch Jahrhunderte des Wachstums, der Extraktion, der Ausbeutung und der Profitakkumulation zerstört wurde. knowbotiq hat KünstlerInnen, MusikerInnen, ForscherInnen und politische AktivistInnen zusammengebracht, um ihre Erkundungen des Gebiets miteinander zu teilen und schliesslich eine Skulptur aus geflochtenen Raphiafasern als eine Art kollektives Denkmal für den Schutz des Landes geschaffen.

Die Vielseitigkeit des Lichts als Naturphänomen ist das Leitmotiv in den Arbeiten von Alan Bogana, so auch in Journeys of Light (2020), seiner neuen Installation, die mit Lasern vergangene und zukünftige Himmelssphären darstellt.

Die Erforschung des Laserlichts wird in der Collage Polarising Times (2020) weiter thematisiert, die aus gefundenen Bildern von Laserstrahlen besteht, die der Künstler gesammelt hat.

Boganas neuer Film Ionize ionize ! (2020), der in einer Fabrik für Szintillationsdetektoren (Messgeräte zur Bestimmung der Energie und der Intensität von ionisierender Strahlung) in Utrecht gedreht wurde, untersucht die einzigartigen Eigenschaften der lichtdurchlässigen Kristalle, die in den Röntgendetektoren von medizinischen und wissenschaftlichen Forschungseinrichtungen verwendet werden.

Bei der interaktiven Arbeit Sensible Spectrum VR (2017) setzt sich ein/e BesucherIn auf einen drehbaren Stuhl innerhalb einer kreisförmigen Leinwand und kann via VR-Brille ein 360°-Video erleben. Die BesucherInnen tragen nicht nur das VR-Headset, sondern auch einen kleinen Projektor, der daran befestigt ist. Wenn sie ihren Kopf in ihre virtuelle Umgebung eintauchen, projizieren sie gleichzeitig einen Film auf das umgebende Display, der für das übrige Publikum sichtbar ist.

Félicien Gogueys jüngste Arbeit untersucht die Auswirkungen der allgegenwärtigen Mobilkommunikation auf unser Leben und bietet Möglichkeiten des Protests. Die Installation Masquerade (2015-2016) kann als Werkzeug gegen die Massenüberwachung eingesetzt werden. Kleine Geräte, die "masq" genannt werden und aus Mikrocontrollern bestehen, werden an das Internet angeschlossen, um automatisch Nachrichten an andere Geräte zu senden. Die Nachrichten enthalten spezifische Wortkombinationen, von denen bekannt ist, dass sie Online-Überwachungssysteme alarmieren. Wenn genügend Geräte an das Internet angeschlossen sind, stört die Anzahl der Nachrichten die Überwachungssysteme, da sie deren Aufnahmekapazität übersteigen. Indem das Überwachungssystem zu viele alarmierende Signale empfängt, ist es nicht in der Lage, effizient auf eines davon zu reagieren, und es wird nutzlos.

Das Video 900 MHz (2019) bezieht sich auf den Frequenzbereich, der für die elektromagnetischen Wellen der mobilen Telefonkommunikation reserviert ist. Goguey versucht diese Datenfülle, die uns tagtäglich in unseren öffentlichen sowie privaten Räumen umgibt, für uns jedoch nicht wahrnehmbar ist, in unser Bewusstsein zu rücken.

Eine Ergänzung zu seinen früheren Arbeiten ist Gogueys neue Installation Bloc Balloon (2020): eine grosse, aufblasbare Einheit, die ähnlich wie Masquerade als Störsystem funktioniert, das diesmal jedoch auf das globale Netzwerk der Mobilkommunikation abzielt. Die Installation unterbricht die Arbeit des IMSI-Catchers (International Mobile Subscriber Identity), die für die Identifizierung der Identität von Mobilfunkteilnehmern verantwortlich sind, indem er gefälschte IMSIs in einem bestimmten Gebiet zeigt.

Mit den Pax Art Awards ehrt und fördert die Art Foundation Pax in Zusammenarbeit mit dem HeK medienspezifische Praktiken von Schweizer KünstlerInnen. Die Pax Art Awards werden seit 2018 während der Art Basel verliehen. Die Hälfte des Preisgeldes dient dem Ankauf eines Werks durch die Art Foundation Pax für deren Sammlung, die andere Hälfte unterstützt die KünstlerInnen bei der Entwicklung und Produktion einer neuen Arbeit, welche im Frühling des darauffolgenden Jahres im HeK gezeigt wird.

Die Art Foundation Pax ist eine unabhängige Stiftung zur Förderung der digitalen und medienbasierten Kunst der Schweiz und wird finanziell von der Pax getragen.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm begleitet. Es finden regelmässig Führungen in deutscher, englischer und französischer Sprache statt.

hek

Kurator der Ausstellung: Boris Magrini


Kontakt:

https://www.hek.ch/

#HausderElektronischenKünsteBasel #HeK #SchweizerMedienkunst #BorisMagrini #knowbotiq #AlanBogana #FélicienGoguey #PaxArtAwards #ArtFoundationPax #CHcultura @CHculturaCH ∆cultura cultura+

Zurück zur Übersicht