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"STREET. LIFE. PHOTOGRAPHY. Street Photography aus sieben Jahrzehnten"

"STREET. LIFE. PHOTOGRAPHY. Street Photography aus sieben Jahrzehnten"

13.09.2020 Ausstellung im Fotomuseum Winterthur, bis am 10. Januar 2021


Bild oben: Natan Dvir, Juicy Couture 01, aus der Serie Coming Soon, 2008-2014 © Natan Dvir (zur Vergrösserung anklicken)

Flüchtige Begegnungen in den Strassen internationaler Metropolen, unaufgeregte Vorstadtszenen, belebte Strassenzüge, kuriose Alltagsschauplätze - die Street Photography inszeniert die Vielschichtigkeit des urbanen Raums und von dessen BewohnerInnen. Die Ausstellung "Street. Life. Photography" eröffnet unterschiedlichste Perspektiven auf die städtische Lebenswelt und das Fotografieren auf der Strasse.

Die Street Photography bildet das öffentliche Leben in Grossstädten ab. Sie zeigt Alltagsleben und Eskapaden, Kommerz und Individualität, Komik und Tragik, politische Auseinandersetzung und gesellschaftliche Veränderung. Sie porträtiert einzelne Personen, die in der Masse scheinbar untergehen, schafft Nähe sowie Distanz. Die Vielfalt des urbanen Raums und seine spannungsvollen Facetten bieten FotografInnen seit jeher unzählige Möglichkeiten der fotografischen Inszenierung.

Die Ausstellung "Street. Life. Photography. Street Photography aus sieben Jahrzehnten" zeigt rund 220 Arbeiten von 37 internationalen FotografInnen, die in den letzten siebzig Jahren entstanden sind. Die Werke eröffnen den BesucherInnen unterschiedliche Perspektiven auf das urbane Leben aber auch auf das Fotografieren im Strassen- und Stadtraum. Wie beobachten FotografInnen damals wie heute die Stadt und ihre BewohnerInnen? Inwiefern spiegelt sich unser Verständnis von öffentlichem und privatem Raum und unsere Beziehung zur urbanen Umgebung in den Werken wider? Wie hat sich der Blick auf die Stadt und mit ihm die Street Photography als solche im Lauf der Zeit verändert?

In der Ausstellung treffen internationale zeitgenössische FotografInnen wie Maciej Dakowicz, Loredana Nemes, Jenny Odell und Harri Pälviranta auf historische Positionen wie Diane Arbus, Lee Friedlander, William Klein, Harry Callahan und Lisette Model. Die Gegenüberstellung historischer und zeitgenössischer Arbeiten ermöglicht es den BesucherInnen, zentrale Tendenzen und wichtige technische, konzeptionelle und ästhetische Entwicklungen der Street Photography nachzuvollziehen.

Fünf kaleidoskopartig angelegte Kapitel gliedern die Ausstellung und eröffnen verschiedene thematische Zugänge. Die Themenfelder Street Life, Crashes, Public Transfer, Anonymity und Alienation zeigen verblüffende, zum Teil kuriose Zusammenhänge auf.

Das Kapitel Street Life stellt einzelne PassantInnen oder Gruppen in den Mittelpunkt des Interesses. Die Strasse ist als Bühne und der Stadtraum als Kulisse zu begreifen - die Menschen werden als ProtagonistInnen Teil der fotografischen Inszenierung. Die Arbeiten bewegen sich zwischen flüchtiger Momentaufnahme und beobachtendem Blick.

Das Themenfeld Crashes kontextualisiert Fotografien, die sich mit Unfällen, Gewaltakten, Konflikten sowie mit gesellschaftlichen Veränderungen oder Störungen beschäftigen. Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Fiktion und vermeintlicher Realität: Was ist echt, was inszeniert?

Der Abschnitt Public Transfer widmet sich den Räumen des öffentlichen Verkehrs als spannungsreichem Grenzbereich menschlichen Verhaltens, in dem sich zwischen privater und öffentlicher Sphäre ein Grossteil des städtischen Lebens abspielt.

Die Anonymität grossstädtischer Strukturen und der Verlust sozialer Nähe werden im Kapitel Anonymity thematisiert. Dabei erkunden die einzelnen Positionen das Phänomen der Anonymität sowohl bezogen auf die fotografierten Personen als auch auf die Rollen der FotografInnen.

Im Kapitel Alienation findet über unterschiedliche Blickwinkel eine Annäherung an das Thema der Verfremdung und Distanzierung im städtischen Raum statt.

Im Rahmen des Begleitprogramms wird der öffentliche Raum und mit ihm die Vielzahl teils ungewollter Begegnungen befragt. Dialogische Führungen und Gespräche mit KünstlerInnen und ExpertInnen geben den BesucherInnen Einblicke in die Vielfalt und Komplexität der Street Photography und zeigen dabei auf, mit welchen Dynamiken und Stolpersteinen das Fotografieren auf der Strasse verbunden sein kann.

"Die Dokumentation des öffentlichen Raums stellt uns vor komplexe Fragen: Wer beobachtet wen und wie voyeuristisch gestaltet sich unser Verhalten? Was bedeuten die Mechanismen der Überwachung im urbanen Raum? Welche - beabsichtigten und unbeabsichtigten - Aussagen manifestieren sich in den fotografischen Aufnahmen? Diesen Fragen gehen wir nach - im Ausstellungsraum und mittels eines dichten Veranstaltungsprogramms."

Nadine Wietlisbach, Direktorin Fotomuseum Winterthur

"Street. Life. Photography. Street Photography aus sieben Jahrzehnten". Eine Ausstellung des Hauses der Photographie/Deichtorhallen Hamburg u.a. mit Werken aus der Sammlung F.C. Gundlach, Hamburg zu Gast im Fotomuseum Winterthur. Die Ausstellung wurde von Sabine Schnakenberg (Deichtorhallen Hamburg) kuratiert. Für die Ausstellung in Winterthur haben Nadine Wietlisbach und ihr Team zusätzliche reflexive Elemente ergänzt. Ein Katalog (Kehrer Verlag) mit Texten von Sabine Schnakenberg und Christoph Schaden ergänzt die Ausstellung.

Nemes

Bild: Loredana Nemes, S009, Paris, April 2005, aus der Serie Under Ground, 2005-2006 © Loredana Nemes

Ausgewählte Positionen

Natan Dvir (*1972, ISR) bewegt sich mit seiner Serie Coming Soon (2008- 2014) in den Stadtlandschaften New Yorks, wo übergrosse, schillernde Werbeflächen längst Teil des  Stadtbildes geworden sind. Während einige TouristInnen staunend davorstehen, schenken die meisten EinwohnerInnen ihnen oft keine Beachtung. Dvir erkundet in seinen Werken unsere visuelle Wahrnehmung in dieser stark kommerziell ausgerichteten Umgebung. Vor den perfekt inszenierten Werbebannern fängt er ungestellte Strassenszenen ein. Durch die fotografische Inszenierung befinden sich PassantInnen plötzlich auf einer Bühne und werden unfreiwillig als Teil des Gesamtbildes in das kommerzialisierte Panorama integriert.

Die Fotografin Melanie Einzig (*1967, USA) hält in ihren kleinformatigen Einzelbildern während zehn Jahren (1999-2009) flüchtige Momente des New Yorker Alltags fest. Dabei stehen die BewohnerInnen der Stadt im Zentrum ihres Interesses, die sie aus relativer Distanz in ihrem direkten urbanen Umfeld beobachtet - sei es auf Gehwegen, an Strassenkreuzungen oder auch in Restaurants und der U-Bahn. So schafft Einzig durch die Auswahl der Motive, der Farbregie und mithilfe weiterer gestalterischer Möglichkeiten der Verfremdung einzelne kleine und zeitlos wirkende Szenerien des Alltags

William Kleins (*1928, USA) in den 1950er-Jahren entstandene Fotografien sind als innovativer Gegenentwurf zum bis dahin entwickelten ästhetischen Repertoire der Street Photography zu verstehen. Bei seinen Streifzügen durch New York setzte Klein die Kamera bewusst offen sichtbar ein und konfrontierte PassantInnen auf schonungslose Art und Weise. Dabei versuchte er formal wie stilistisch sowohl die unaufhaltsame Bewegung der Menge als auch vereinzelte, flüchtige Gesichter fotografisch festzuhalten. Die BetrachterInnen bewegen sich scheinbar hautnah gemeinsam mit dem Fotografen durch die Menschenmassen. Durch den Einsatz weitwinkliger Objektive wirken die teilweise bewegungsunscharfen Close-ups stellenweise klaustrophobisch.

Lisette Model (1901-1983, AUT/USA) porträtierte ab Mitte der 1930er-Jahre PassantInnen in verschiedenen Körperhaltungen und Posen in grossformatigen Abzügen. Dabei beobachtet sie die Menschen auf der Strasse aus einiger Entfernung mit grösstmöglicher Intensität und Geduld. Die in New York, San Francisco und Nizza entstandenen Aufnahmen zeigen individuelle Details der Mimik und Gestik sowie Eigenarten und Besonderheiten der Menschen in offener Direktheit. Die Porträtierten füllen dabei das Bildformat fast komplett aus und lassen die städtische Umgebung in den Hintergrund rücken.

Loredana Nemes' (*1972, ROU) Serie Under Ground (2005-2006) entstand in den U- Bahnen und Metros von Moskau, New York, Paris, London und Bukarest. Mit einer zweiäugigen Rolleiflex-Mittelformatkamera, die ihr um den Hals hing, porträtierte sie diskret mit fast geräuschlosem Auslöser Personen, die ihr in der Bahn direkt gegenübersassen. Under Ground vereint ruhige und klare Porträtarbeiten, die von einer seltsamen Zeitlosigkeit geprägt sind. Die Fotografien entstanden dabei meist ausserhalb der Rushhour, wenn sich der Tag seinem Ende nähert und sich eine ganz besondere Stimmung über die Stadt und ihre Menschen legt.

Für seine Serie The Last Resort (1983-1985) fotografierte Martin Parr (*1952, GBR) Tagesausflügler aus Liverpool und Umgebung, die im heruntergekommenen aber sehr lebendigen städtischen Badeort New Brighton einen heissen Sommertag verbringen. Parr beobachtet Menschen, die versuchen, ihre Freizeit zwischen überfüllten Mülleimern und der verbauten, zubetonierten Promenade zu gestalten. Dabei bewegt er sich an der Grenze  zwischen Unvoreingenommenheit und Voyeurismus, zwischen Gesellschaftskritik und Unterhaltung. Seine bittere Satire des Grossbritanniens der Thatcher-Ära legt zahlreiche kontroverse Aspekte der Fotografie offen. Die Auseinandersetzung mit der konsumorientierten Gesellschaft und ihren vielfältigen Auswüchsen ist dabei ein zentrales Thema im Werk des britischen Fotografen.

In Stephen Shores (*1947, USA) Arbeiten, die sich mit der Wahrnehmung von (Stadt-)Raum beschäftigen, fügen sich Linien und Zeichen verschiedener Strassenszenen zu konstruktiven Einheiten zusammen. Shore arbeitet mit Fluchtlinien, horizontal verlaufenden Hilfslinien und auf ihre Funktion optischer Markierungen reduzierte Reklameschilder. Die Telefonmasten, Kabelleitungen, Ampelpfähle und Werbeflächen zeugen von den Veränderungen von Lebensräumen in den USA ab den 1960er-Jahren. Stephen Shore beschäftigt sich kritisch mit der vom Menschen beeinflussten Umwelt und der wachsenden Isolation und Zerteilung der ursprünglichen Landschaft des US- amerikanischen Westens. 

fmw

Kontakt:

https://www.fotomuseum.ch/de/

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dakowicz

Bild: Maciej Dakowicz, Ohne Titel, aus der Serie Cardiff After Dark, 2005-2011 © Maciej Dakowicz 

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