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ZURICH ART PRIZE 2018 FÜR ROBIN RHODE

ZURICH ART PRIZE 2018 FÜR ROBIN RHODE

20.10.2018 Ausstellung im Haus Konstruktiv Zürich, vom 25. Oktober 2018 bis am 13. Januar 2019 – Vernissage, Preisverleihung und Performance am 24. Oktober 2018, 18 Uhr


Bild: Robin Rhode, Delta, 2018, C-Print, 4 Teile. Courtesy der Künstler und kamel mennour, Paris/London

Der Zurich Art Prize geht 2018 an Robin Rhode (geb. 1976 in Kapstadt, lebt in Berlin). Die Preissumme von CHF 100'000 setzt sich zusammen aus CHF 80'000, die für eine Einzelausstellung im Museum Haus Konstruktiv eingesetzt werden, und einem Preisgeld von CHF 20'000 für den Künstler. Die Jury des Zurich Art Prize begeisterte sich insbesondere für "Rhodes klugen und lustvollen Umgang mit konstruktiven Anleihen".

Robin Rhode ist in der internationalen Kunstszene gut verankert. Er startete seine Künstlerkarriere 2003 mit seiner Teilnahme an der Ausstellung How Latitudes become Forms im Walker Art Center in Minneapolis. Seither zeichnet sich sein Œuvre durch die virtuose Kombination von Street-Art, Malerei, Performance, Film, Fotografie und neuerdings auch Skulpturen aus, wobei das Medium Zeichnung oft die Basis bildet.

Seit mehr als fünfzehn Jahren lebt Rhode in Berlin, wo er in einem stillgelegten Industriegebäude seine Kunst entwickelt. Dabei spielen die Historie und aktuelle Situation in seinem Heimatland Südafrika nach wie vor eine wichtige Rolle. Immer wieder reist er nach Johannesburg, um in den «südafrikanischen way of life» einzutauchen. Die dortigen Strassen und Quartiere bieten ihm optimale Bedingungen, die Ideen für seine Fotoarbeiten umzusetzen.

In seiner Ausstellung a plan of the soul präsentiert Robin Rhode verschiedene Werke, die er eigens für das Museum Haus Konstruktiv konzipiert bzw. adaptiert hat. Der Titel a plan of the soul stammt aus Virginia Woolfs Essay A Room of One's Own (1929). Darin folgert sie, dass sich Kreativität nur in einer androgynen Seinsweise entfalten kann, in der es zu einer harmonischen Verschmelzung von männlichen und weiblichen seelischen Anteilen kommt.

Eine androgyne Verschmelzung von männlichen und weiblichen Anteilen lässt sich auch in den beiden skulpturalen Figuren erkennen, die Rhode im Erdgeschoss des Museum Haus Konstruktiv platziert: Untitled (Compass - Male & Female) zeigt zwei menschenhohe Zirkel, die sich - angetrieben durch einen Motor - um die eigene Achse drehen. Sich lediglich durch ihre Grösse unterscheidend, werden die Zeichengeräte zu einer männlichen und einer weiblichen Figur. Belebt oder gar beseelt werden sie allerdings erst, wenn sich der Betrachter den mit Sensoren versehenen Skulpturen nähert. Er gibt so das Tempo ihrer Drehungen vor und wird zum Choreografen ihrer aufeinander bezogenen Bewegungen.

Das Prinzip der harmonischen Verschmelzung von Mann und Frau greift Rhode auch in der Arbeit LVERS auf. Ein mit schwarzem Autolack besprühtes Männer- und ein ebensolches Damenfahrrad sind so ineinander verkeilt, dass sie aus einer bestimmten Perspektive eins werden.

Rhodes Auseinandersetzung mit der Linie spiegelt sich auch in Faces of Trees (Endless Columns) (2018) wider, einer Wandinstallation aus über 150 besprayten Papierblättern, auf denen zahlreiche sich windende, an ein Wurzelgeflecht erinnernde Linien zu sehen sind. Boden und Decke miteinander verbindend, bilden sie die organisch wirkende Kulisse, vor der die stählernen Zirkel ihre Runden drehen.

Für Robin Rhode ist die Zeichnung nicht auf einen Bildträger beschränkt, sondern eine Technik, die er nutzt, um im öffentlichen Raum ebenso wie an Museumswänden einen performativen Prozess zu entfachen. In einer Performance, die Rhode anlässlich seiner Ausstellungseröffnung geben wird, zeichnet er - angeseilt über dem Boden schwebend - mit diversen, an einem zweiten Seil fixierten Einzelteilen eines Autos. Zurück bleiben nach diesem spektakulären Akt sowohl die virtuosen Zeichnungen an der Wand als auch die von der Decke hängenden Zeicheninstrumente.

Die im ersten Stock präsentierten installativen Wandarbeiten weisen Bezüge zur Kunstgeschichte wie auch zur Geschichte der Fotografie auf. Während die verschiedenen Bildsequenzen in den Fotoserien Nigerian Sands (2018), Mandala (2018) und Delta (2018) an die Chronofotografien von Eadweard Muybridge erinnern, speisen sich die Wandmalereien aus einem abstrakt-geometrischen Formenvokabular.

Das Entstehungsprinzip ist bei allen drei Serien das gleiche: Ein oder zwei Performer interagieren mit einer Wandmalerei, die mithilfe von Schablonen auf einer Strassenmauer in Südafrika angebracht wurde. Die einzelnen Etappen der Werkentstehung sind fotografisch so festgehalten, dass die aneinandergereihten Fotosequenzen den Eindruck eines Bewegungsablaufs erzeugen. Die ornamentale und teils dreidimensional wirkende Grundierung der Wandmalereien wird im Haus Konstruktiv auf die Museumswände übertragen, und auf diesen wiederum werden die entsprechenden Fotografien gezeigt.

In Mandala, einer achtteiligen Fotoserie, sind insgesamt acht in Weiss, Grau, Gelb und Ockertönen ausgeführte Teilformen zu sehen, deren Anzahl von Fotografie zu Fotografie ansteigt. Dem Titel entsprechend handelt es sich um eine Sequenz zu jener geometrischen Figur, der in fernöstlichen Kulturen eine spirituelle Bedeutung zukommt. Mit der Wahl von acht Einzelteilen verweist Rhode auf die Zahl 8 als Symbol der Unendlichkeit. Er spielt mit dem Nicht-Endgültigen und der ewigen Wiederkehr von Form und Inhalt.

In Nigerian Sands tanzen zwei schwarz gekleidete Protagonisten - ein Mann und eine Frau - in zwölf Bildsequenzen um einen Farbkreis, der sich in zwölf Etappen aus zwölf verschiedenfarbigen Würfeln zusammensetzt. Thematisch spielt Rhode damit einerseits auf den Begriff «Die Quadratur des Kreises» an, eines der populärsten Probleme der Geometrie. Um eine Lösung der Aufgabe, ein dem Kreise flächengleiches Rechteck mit Zirkel und Lineal zu zeichnen, hat man sich bis heute vergebens bemüht. Daher wird der Begriff oft auch als Metapher für ein unlösbares Problem verwendet. Andererseits legt das hier verwendete Farbkreismotiv nahe, dass sich der Künstler mit farbtheoretischen Überlegungen auseinandergesetzt hat, etwa mit den Farbkreisen von Isaac Newton, Johann Wolfgang von Goethe oder Johannes Itten. Mit dem sandfarbenen Hintergrund und den Nigerian Sands im Titel verweist der Künstler auf den nicht regulierten und illegalen Abbau von Sand, der neben Wasser zu den meist konsumierten Rohstoffen der Welt gehört. Diese Arbeit führt deutlich vor Augen, dass Rhodes Bildgeschichten nicht nur poetisch und humorvoll, sondern auch politisch motiviert sein können.

Der Begriff Delta, so der Titel der dritten Wandinstallation, hat in unterschiedlichen Bereichen verschiedene Bedeutungen: Delta ist der vierte Buchstabe im griechichen Alphabet, als Differenzzeichen ∆ ist es ein vom griechischen Grossbuchstaben Delta abgeleitetes mathematisches Symbol. Daneben beschreibt das Wort Delta auch eine Flussmündung, die durch einen annähernd dreieckigen Grundriss gekennzeichnet ist. Ein gleichseitiges Dreieck bildet denn auch die Basisform, mit deren Hilfe Rhode in über vier Fotosequenzen einen zwölfzackigen Stern entstehen lässt. Zwei junge, in die Luft springende Frauen flankieren die ineinander verkeilten, verschiedenfarbigen Dreiecksformen.

Die Zürcher Ausstellung gibt Einblick in eine künstlerische Praxis, in der alltägliche Beobachtungen, politische Statements, Sehnsüchte sowie kunsthistorische Referenzen klug und humorvoll in teils slapstickartigen Gesten erfahrbar werden.

Kuratiert von Sabine Schaschl

hkz

Kontakt:

https://hauskonstruktiv.ch/deCH/ausstellungen/upcoming/robin-rhodebrzurich-art-prize-2018.htm

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