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SCHWEIZER STIFTUNGSSEKTOR WÄCHST WEITER

SCHWEIZER STIFTUNGSSEKTOR WÄCHST WEITER

19.04.2016 Ende 2015 zählte der Schweizer Stiftungssektor 13'075 gemeinnützige Stiftungen. Mit 335 Neugründungen legte das Schweizer Stiftungswesen zahlenmässig nochmals zu und gehört im europäischen Vergleich nach wie vor zu den absoluten Spitzenreitern. "Stiften strahlt eine hohe Anziehungskraft aus, ermöglichen Stiftungen doch eine attraktive Kombination von Gestaltungsfreiheit und Zweckbindung", schreibt heute "swissfoundation.ch". Im Vergleich zum Vorjahr steigt das Netto-Wachstum des Schweizer Stiftungssektors von 137 auf 175 wieder deutlich an. Die Angaben stammen aus dem Schweizer Stiftungsreport 2016, der am 4. Mai 2016 in Appenzell vorgestellt wird.


Den 335 Gründungen stehen im vergangenen Jahr 149 Liquidationen und 11 Fusionen gegenüber. Damit setzt sich die Konsolidierungsphase im Schweizer Stiftungswesen fort. Seit 2009 wurden bereits über 1'000 gemeinnützige Stiftungen liquidiert. Dies hat einerseits mit der immer noch prekären Ertragslage von gering dotierten Stiftungen und gestiegenem Aufwand zu tun, anderseits wird die Rechtsform Stiftung heute viel flexibler eingesetzt, gerade auch im Hinblick auf wirtschaftliche oder internationale Initiativen. Social Enterprises, Bürgerinitiativen oder Kunst-Festivals werden vielfach als Stiftungen errichtet. Diese Gründungen sind häufig von vornherein auf Zeit angelegt oder mit hohem Risiko verbunden. So erstaunt es nicht, dass viele der aufgelösten Stiftungen eine nur geringe Lebensdauer aufweisen.

Zürich hat die Nase vorne

Das höchste Stiftungswachstum 2015 weist der Kanton Zürich auf. Mit 61 neugegründeten Stiftungen überholt er den Kanton Genf, der mit 50 Neugründungen den zweiten Platz belegt. Insgesamt verschiebt sich das Schwergewicht der Neugründungen zunehmend auf die Städte und regionalen Zentren. So weisen mit Glarus, Solothurn und Schaffhausen gleich drei weniger urbane Kantone ein negatives Nettowachstum auf.

Ebenfalls auffällig ist mit 16 neuen Stiftungen das geringe Stiftungswachstum im Kanton Basel-Stadt, dem Kanton mit der weitaus höchsten Schweizer Stiftungsdichte. Kommt in Basel eine Stiftung auf 219 Einwohner, ist dieses Verhältnis im Kanton Aargau 1 : 1'316. Der Schweizer Durchschnitt liegt bei 629 Einwohnern. Die hohe Zahl von Neugründungen kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Schweizer Stiftungswachstum deutlich verlangsamt hat. Die Zahl der Neugründungen nimmt bei gemeinnützigen Stiftungen seit 2007 kontinuierlich ab. Positiver zeigt sich das Nettowachstum, welches die Liquidationen den Neugründungen gegenrechnet.

Die öffentliche Hand als Stifterin

Immer häufiger tritt auch der Staat als Stifter auf, sei es bei der Umwandlung von Zweckverbänden in Stiftungen, bei der Auslagerung von Aufgaben aus der Verwaltung oder bei Public Private Partnerships in Zusammenarbeit mit Wirtschaftsakteuren.

Dass die öffentliche Hand gerade jetzt die Rechtsform der Stiftung zunehmend entdeckt, überrascht Prof. Dr. Georg von Schnurbein, Leiter des Center for Philanthropy Studies der Universität Basel, nicht: "Gerade für den Staat ist die Zweckbindung der Stiftung ein Garant, dass sein Einfluss durch eine Auslagerung nicht vollkommen schwindet. Gleichzeitig sind mit Auslagerungen meistens auch Kosteneinsparungen verbunden."

National und international tätige Stiftungen in wenigen Kantonen konzentriert

Ein interessantes Resultat zeitigt die Verteilung der Stiftungen auf die Aufsichtsbehörden. Die sieben Kantone Zug, Genf, Zürich, Nidwalden, Schwyz, Bern und Fribourg stellen das Gros der national oder international tätigen Stiftungen, während im Kanton Appenzell Innerhoden fast alle Stiftungen unter kantonaler Aufsicht stehen und somit primär regional tätig sind.

Neben der eidgenössischen und den kantonalen Aufsichtsbehörden gibt es in der Schweiz eine Vielzahl von lokalen Aufsichtsbehörden, die häufig nur 1 bis 2 Stiftungen beaufsichtigen. Diese Aufsichtsform ist in Luzern, wo 39% aller gemeinnützigen Stiftungen lokal beaufsichtigt werden, im Wallis (35,8%) und in Schaffhausen (31.3%) besonders häufig anzutreffen.

Der Gesetzesentwurf zur Neuorganisation der Eidgenössischen Stiftungsaufsicht vom März 2016 ist eine von vielen rechtlichen Entwicklungen, die der Stiftungsreport 2016 aufgreift.

Schweizer Stiftungsreport 2016 mit Regionenfokus Ostschweiz

Der Schweizer Stiftungsreport erscheint jährlich und ist die wichtigste Informationsquelle zu Zustand und Entwicklung des Schweizer Stiftungssektors. Er zeigt auf einen Blick alle aktuellen und relevanten Zahlen, Fakten und Trends. Der Stiftungsreport umfasst 2016 erstmals einen Regionenfokus, der sich im Detail mit der Ostschweizer Stiftungslandschaft beschäftigt.

Neben demographischen Entwicklungen enthält der Report detaillierte Finanzkennzahlen zum Stiftungswesen in den Kantonen St. Gallen, Thurgau, Graubünden, Glarus und den beiden Appenzell. Die Daten wurden von den jeweiligen Aufsichtsbehörden zur Verfügung gestellt.

Der Schweizer Stiftungsreport 2016 wird am 4. Mai 2016 in Appenzell vorgestellt und erscheint in deutscher, französischer und englischer Sprache. Er wird vom Center for Philanthropy Studies (CEPS) der Universität Basel, von SwissFoundations, dem Verband der Schweizer Förderstiftungen, und dem Zentrum für Stiftungsrecht an der Universität Zürich herausgegeben. Er steht ab dem 5. Mai 2016 unter www.stiftungsreport.ch kostenlos zum Download zur Verfügung.

sf

Kontakt:

http://www.swissfoundations.ch/

Ausgewählte Fakten auf einen Blick

  • Gesamtzahl gemeinnütziger Stiftungen in der Schweiz per Ende 2015: 13'075
  • Zahl Neugründungen 2015: 335 gemeinnützige Stiftungen
  • Liquidationen: 149 (2015) versus 226 (2014)
  • Anteil der gemeinnützigen Stiftungen, die seit 2000 gegründet wurden: 41,6%
  • Kanton mit den meisten Stiftungen: Zürich (2'261)
  • Kanton mit höchstem Brutto-Zuwachs an Stiftungen: Zürich (61)
  • Kanton mit höchstem Netto-Zuwachs an Stiftungen: Genf (38)
  • Kanton mit der höchsten Stiftungsdichte: Basel-Stadt (45,7 Stiftungen auf 10'000 Einwohner)
  • Anteil der Stiftungen unter eidgenössischer Aufsicht: 31,7%
 

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