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"FRAUENKUNST AUS DER SAMMLUNG LUGINBÜHL"

"FRAUENKUNST AUS DER SAMMLUNG LUGINBÜHL"

27.03.2021 Jahresausstellung Museum Bernhard Luginbühl, Altes Schlachthaus Burgdorf, vom 28. März bis am 5. Dezember 2021, jeden Samstag und Sonntag, 11 bis 17 Uhr (im Juli geschlossen: Sommerpause)


Bild oben: Ausschnitt aus Plakat, © Luginbühl, http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

Die Jahresausstellung 2021 zeigt Werke von befreundeten Künstlerinnen aus dem Umfeld von Bernhard und Ursi Luginbühl:

NIKI DE SAINT PHALLE

FLORENCE GILLIÉRON

SABINA HOFKUNST

LILLY KELLER

EVA AEPPLI

+URSI LUGINBÜHL

luginbühl schlachthaus

Fotos: © Luginbühl / fellAir, http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

50 Jahre Frauenstimmrecht – im Alten Schlachthaus Burgdorf wird dieses Jubiläum mit einer Ausstellung von über 100 Arbeiten namhafter Künstlerinnen aus dem Freundeskreis von Ursi und Bernhard Luginbühl zelebriert. Dazu gehören Werke von Niki de Saint Phalle, Eva Aeppli, Lilly Keller, Sabina Hofkunst und Florence Gilliéron. Durch die facettenreiche Schau zieht sich wie ein roter Faden das Schaffen der Keramikerin und Plastikerin Ursi Luginbühl – der sechsten Frau im Bunde.

10 Jahre sind es her, seit der legendäre Berner Künstler Bernhard Luginbühl verstorben ist. Sein Sohn Basil Luginbühl, Skulpteur und Kurator, inszenierte aus diesem Anlass die drei Kabinett-Räume im unteren Teil des Museums völlig neu. Der Rundgang durch die aktuelle Ausstellung beginnt in diesen intimen Räumen. Zahlreiche Originalwerke aus verschiedenen Epochen und überdimensionale Grafiken des Eisenplastikers und Zeichners laden zum Betrachten ein.

Im oberen Stock vollzieht sich ein Szenenwechsel: Jeder Raum ist hier lichtdurchflutet und verströmt eine andere Atmosphäre. Ob im Ausdruck poetisch, farbstark oder morbide: Die gezeigten Werke widerspiegeln auf eindrückliche Art und Weise das Fühlen und Denken der Künstlerinnen sowie die Vielfalt an Materialien, mit denen sie sich gestalterisch ausdrücken.  

Für die naturwissenschaftliche Zeichnerin und Illustratorin Sabina Hofkunst Schroer, 74, war der Kontakt mit Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl und Daniel Spoerri prägend – so, wie ihre Beziehung mit dem Maler und Zeichner Alfred Hofkunst (1942-2004). Ihr eigenes Schaffen rückte als Assistentin ihres Mannes und Mutter eines gemeinsamen Sohnes in den Hintergrund. Heute verwirklicht sie die Ideen, die sie stets in sich trug. Basierend auf Träumen, Wortspielen und Gefundenem im Garten der Natur malt sie akkurat und anmutig oft doppeldeutige Aquarelle. Eine Auswahl dieser Wort- und Sinnbilder wie der "Zerfallende Kürbis" oder der "Mampfler", 2004 (nach einer Luginbühl-Skulptur von 1999), sind im ersten Raum zu sehen.

luginbühl schlachthaus

Fotos: © Luginbühl / fellAir, http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

Sie stehen im spannenden Dialog mit den fantasievollen Keramikobjekten ihrer Seelenverwandten und Künstler-Schwester Ursi Luginbühl Koelner (1936-2017), die als Mutter von vier Kindern die eigenen Ambitionen ebenfalls trotz Auszeichnungen und Stipendien zurückstellte, um dem berühmten Ehemann den Rücken für die Kunst frei zu halten. Ein Entscheid, den beide Frauen selbstbewusst und emanzipiert trafen. Sabina Hofkunst: "Eine so intensive Beziehung überlebt nur, wenn einer sich zurücknimmt. Und ich fühlte mich wohl im Schatten meines Mannes."

Im nächsten Raum gibt es Werke der Berner Künstler-Muse Lilly Keller (1929-2018) zu entdecken. Nach dem Abbruch der Kunstgewerbeschule zog die junge Frau mit ihren grossen, minutiös gewobenen Tapisserien die Aufmerksamkeit der abstrakten Welt auf sich. Ab den 1960er-Jahren gehörte sie zum inneren Zirkel um Daniel Spoerri, Meret Oppenheim, Friedrich Kuhn, Peter von Wattenwyl, Jean Tinguely, Bernhard Luginbühl und Leonardo Bezzola.

Immer wieder wurde ihr breitgefächertes und visionäres Schaffen ausgezeichnet. Zur zentralen Inspiration wurde für die Künstlerin die Natur. Davon zeugt das riesige "Gunnerablatt" aus Gips, das sie ihrer Freundin Ursi kurz vor deren Tod schenkte – die kolumbianische Pflanze wächst übrigens auch im Stiftungsgarten von Bernhard Luginbühl. Nebst den grafisch gehaltenen Werken von Lilly Keller ist dieses Objekt ein magischer Blickfang wie auch das "Herz", aus dem Besitz ihres Patenkindes Brutus Luginbühl (1958- 2017).

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Fotos: © Luginbühl / fellAir, http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

Im Kontrast dazu stehen die dreidimensionalen Arbeiten von Florence Gilliéron (1954). Die Genferin studierte Psychologie und wandte sich danach der Kunst zu. Bereits während ihrer Studien in Basel, Genf und Hamburg fand ihr Schaffen in Galerien und Museen Beachtung. Unter anderem stellte sie auch mit Basil Luginbühl aus. Die farbstarken Werke wirken durch die Art der Gestaltung mit Blech und Gips geradezu archaisch und rütteln durch Statements wie: "Das Leben ist so schrecklich!" auf. Die Künstlerin thematisiert dabei häufig die Beziehung zwischen Mann und Frau: Der "Streit" oder die "Verführung" stellt sie wie eine Theaterszene auf einer Miniaturbühne dar. Die Schaustücke sind von einer tief berührenden Eindringlichkeit, der man sich kaum entziehen kann. Seit ihrer letzten Ausstellung 1992 hat sich die Spur der Künstlerin leider verloren.

Ihre Werke sind so bekannt wie jene von Jean Tinguely (1925-1991), mit dem sie ab 1971 verheiratet war: Niki de Saint Phalle (1930-2002). Die ersten Gemälde schuf sie 1953, zuvor arbeitete sie als Aktionskünstlerin und machte ab 1956 mit ihren sogenannten Schiessbildern auf sich aufmerksam. Sie war Modell, verheiratet und Mutter von zwei kleinen Kindern, als sie durch einen psychischen Zusammenbruch über die Therapie zur Kunst kam. "Ich war eine zornige junge Frau, doch gibt es ja viele zornige junge Männer und Frauen, die trotzdem keine Künstler werden. Ich wurde Künstler, weil es für mich keine Alternative gab – infolgedessen brauchte ich auch keine Entscheidung zu treffen. Es war mein Schicksal."

Der Blick bleibt an den bunten Siebdrucken und Skulpturen hängen, am "L'oiseau feu" – dem Feuervogel – und den für Niki de Saint Phalle typischen Nanas. Basil Luginbühl erinnert sich: "Meine Mutter gab ihr jeweils einen Klumpen Lehm, damit sie sich bei ihren Aufenthalten in der Schweiz künstlerisch ausleben konnte." Aus jener Zeit stammen die Objekte in der imposanten Ausstellungsvitrine. Wie von einem Windstoss verweht liegen darin unzählige Briefe: Korrespondenz zwischen Eva Aeppli und Luginbühls. Im Mötschwiler Künstlerhaus wurde stets viel geschrieben, gesprochen, gefeiert – die Worte flogen im Freundeskreis hin und her. Freunde blieben Freunde und Freundinnen, Freundinnen – selbst wenn sich Beziehungen zwischen den Paaren auflösten. 

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Fotos: © Luginbühl / fellAir, http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

Tinguelys erste Frau war die Künstlerin Eva Aeppli (1925-2015). Die beiden lernten sich in Basel an der Kunstgewerbeschule kennen. Sie wurden Eltern einer Tochter und heirateten 1951. Während der Ehe arbeiteten beide gemeinsam im selben Atelier und es kam auch nach seiner Heirat mit Niki de Saint Phalle noch zu Kollaborationen.

Im letzten, grössten Ausstellungsraum treffen die herausragenden Werke von Eva Aeppli auf Keramikarbeiten, Bronzen und Skizzen von Ursi Luginbühl. Auf zwei Stühlen sitzen zwei handgenähte lebensgrosse Puppen – Skelette, gekleidet in Samt und Spitze und mit Blumen geschmücktem Schädel. Daneben hängt ein mit Totenköpfen übersätes, ornamentales Gemälde und dem Titel "Niki the Tigger", 1964. Unausweichlich wird uns der Tod vor Augen geführt. "Eva Aeppli brachte mit ihren Arbeiten das Leiden der Menschheit und die Zerbrechlichkeit des menschlichen Daseins zum Ausdruck", erklärt Basil Luginbühl. 

Plötzlich erhält die morbide Szenerie etwas Leichtes, Verspieltes. Zwischen den riesigen Keramikgefässen von Ursi Luginbühl beginnt sich in einer froschähnlichen Vase eine filigrane Skulptur von Jean Tinguely zu bewegen. Flatternd, peitschend und ruckartig. "Diesen mechanischen Blumenstrauss überreichte Tinguely unserer Mutter an ihrer Vernissage in der Galerie Medici, das war 1986", erklärt der Kurator und ergänzt: "Jeannot und Bärni haben ihre Frauen stets gefordert und gefördert."

Ursi Luginbühl kam von Basel ins Emmental, um bei Margrit Linck in Reichenbach das Töpfer-Handwerk zu lernen. Sie war eine der ersten Dreherinnen in der Schweiz. Und in dieser Zeit begegnete sie Bernhard Luginbühl, der sie hartnäckig umwarb. Mit Erfolg. Nach der Lehre zog sie zu ihm – er baute ihr eine Drehscheibe und die Eltern schenkten ihrer Tochter einen Brennofen als Aussteuer. "Sie hat uns stets in ihr Schaffen miteinbezogen. Wir verzierten, was sie uns vorformte. Daraus entstand das sogenannte Kindergeschirr", erinnert sich Basil Luginbühl. Während die schneeweissen oder tiefschwarzen Gefässe im Frühwerk der Künstlerin eine sehr schlichte und konkrete Formsprache hatten, wurden sie später zunehmend grösser und surrealistischer. 

Sechs Frauen – ein gemeinsamer, starker Auftritt. Die Ausstellung mit aussergewöhnlichen Werken aus der Sammlung Luginbühl reflektiert die grosse Wertschätzung der Mötschwiler Künstlerfamilie gegenüber dem weiblichen Kunstschaffen und versteht sich als Hommage an alle Künstlerinnen. 

Isolde Schaffter-Wieland

Flyer:

http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/presse/2021/2021%20Flyer.pdf

Mehr / Kontakt:

http://www.luginbuehlbernhard.ch/museum/

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