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"KUNST DER VORZEIT - FELSBILDER DER FROBENIUS-EXPEDITIONEN"

"KUNST DER VORZEIT - FELSBILDER DER FROBENIUS-EXPEDITIONEN"

13.03.2021 Ausstellung im Museum Rietberg Zürich, bis am 11. Juli 2021


Bild oben: Hand mit drei kleinen Figuren, Ägypten, Gilf el-Kebir, Wadi Sura, 1933, Elisabeth Charlotte Pauli, Aquarell auf Papier, 49,5 × 34,5 cm © Frobenius-Institut

frobenius museum rietberg

Bild: Liegender mit Hörnermaske, Simbabwe, Rusape, Diana Vow, 1929, Agnes Schulz, Aquarell auf Papier, 105,5 × 147 cm © Frobenius-Institut

Eine der vielen niemals zu beantwortenden Fragen zur Kunst ist die Frage nach ihren Ursprüngen. Während Musik, Tanz und Theater kaum Spuren hinterlassen haben, haben Fels- und Höhlenmalereien die Jahrtausende überdauert. Die Entdeckung altsteinzeitlicher Höhlenbilder Ende des 19. Jahrhunderts veränderte die Vorstellungen über die Anfänge von Kunst von Grund auf.

Können wir uns einer Kunst nähern, die in einer Ausstellung im Original nicht zugänglich ist und ihre Urheberinnen und Urheber, ihre Beweggründe und ihre Weltwahrnehmung für immer unbekannt bleiben müssen?

In einer erweiterten Übernahme vom Frobenius-Institut zeigt das Museum Rietberg die Ausstellung "Kunst der Vorzeit – Felsbilder der Frobenius-Expeditionen", nachdem sie bereits mit grossem Erfolg im Berliner Martin-Gropius-Bau und dem Museo Nacional de Antropologíain Mexiko City zu sehen war.

Als der deutsche Ethnologe Leo Frobenius (1873–1938) vor rund hundert Jahren mit seinem Künstlerinnen- und Künstlerteam auf abenteuerliche Weise auszog, um prähistorische Felsbildkunst abzumalen, stiess er Grosses an. Nicht unbedingt in der Archäologie, sondern insbesondere in der Kunst – und darüber hinaus in der Suche nach dem, was uns Menschen ausmacht.

Die Inszenierung der Dokumentationsarbeit von Frobenius ermöglicht eine einzigartige Begegnung mit Felsbildkunst. Der Rundgang entlang der damaligen Expeditionen führt geografisch durch die Sahara, Südafrika, Papua-Neuguinea, Australien und Europa und zeitlich von der spanischen Höhle Altamira aus dem Paläolithikum bis zu zeitgenössisch genutzten Bildern im australischen Kimberley.

Rund 120, teils meterlange Abzeichnungen der Originalbilder, hergestellt von den Expeditionskünstlerinnen und -künstlern zwischen 1913 und den 1950er-Jahren, sind wirkungsvoll inszeniert und durch Arbeitsfotos und Expeditionsgegenstände ergänzt.

Die Schau beleuchtet vielfältige Aspekte – von direkt geführten Ownership-Diskussionen mit der australischen indigenen Gesellschaft über die Fragen nach angemessenen Schutz-und Dokumentationsmethoden der ältesten erhaltenen Kunstform der Menschheit, des Werts der "Originalkopie", der modernen archäologischen Felsbildforschung, bis hin zur Wirkungsgeschichte der prähistorischen Kunst auf die Avantgarde. Letzteres beleuchtet die Ausstellung insbesondere mit exquisiten Leihgaben aus dem Zentrum Paul Klee in Bern.

Durch die Übertragung der Felsbildoriginale auf Papier und Leinwand wurde die "Kunst der Vorzeit" transport-, druck- und ausstellungsfähig: in Farbe und in Grossformaten waren sie in gefeierten Ausstellungen in Europa und den USA zu sehen – unter anderem 1937 im New Yorker Museum of Modern Art. Es waren erst die Bildkopien, die der prähistorischen Felskunst zu öffentlicher Aufmerksamkeit verhalfen und damit ihre Rezeption wesentlich prägten.

So geht die Ausstellung auch der Wirkungsgeschichte dieser Felsbilder - bzw. ihrer Kopien - für die Kunst der Moderne nach. Für Künstler wie Klee, Giacometti, Baumeister oder Pollock wurden sie, als Kunst der "Primitiven" zu einer bedeutenden Inspirationsquelle, vor allem im Hinblick auf formale Fragen.

In der Schweiz hatten Künstlerinnen und Künstler, Museen und das Publikum bereits 1931 Gelegenheit, sich mit dieser Kunst auseinanderzusetzen. Auf der Suche nach einer neuen Formensprache zeigte das Zürcher Kunstgewerbemuseum (heute: Museum für Gestaltung) unter der Leitung seines Direktors Alfred Altherr erstmals eine Ausstellung mit Felsbildkopien des südlichen Afrikas einer Expedition Leo Frobenius' gemeinsam mit vormoderner und traditioneller Kunst Afrikas. Mit ihrem Fokus auf gestalterische Aspekte, Ornamentik und Materialität gab die Ausstellung in Zürich Impulse für die Rezeption der Felsbilder.

Als Fotografie und Film in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts technisch heranreiften und von immer grösserer Bedeutung für die wissenschaftliche Dokumentation prähistorischer Felsbildkunst wurden, verschwanden die Frobenius-Dokumentationen im Archiv. Man empfand die unvermeidlichen Verfremdungen der Felsbilder durch die Malerinnen und Maler als unwissenschaftlich. Erst die diversen narrativen Turns der Postmoderne haben uns die autonome Qualität dieser Bildwerke wieder näher gebracht.

Als "Originalkopien" geben sie nicht nur einen überwältigenden Eindruck von der Ausdruckskraft und ästhetischen Wirkung prähistorischer Kunst. Als eigenständige Werke offenbaren sie – bei allem Objektivitätsanspruch - zugleich den Prozess künstlerischer Annäherung und individueller Deutung. Sie gehören durch ihre Wirkungsgeschichte untrennbar zur Kunst unserer Zeit.

Zur Ausstellung erscheint bei Prestel ein deutschsprachiger Katalog (Hardcover, 280 Seiten,24x28 cm). 

Mehr:

https://rietberg.ch/files/ausstellungen/2021/KunstDerVorzeit/FROBENIUS_Tafeln.pdf

mrz

Kontakt:

https://rietberg.ch/ausstellungen/frobenius

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Bild: Grosse Elefanten, weitere Tiere sowie Menschen in vielen Schichten gemalt, Simbabwe, Mutoko, 1929, Joachim Lutz, Aquarell auf Papier, 283 × 678,5 cm © Frobenius-Institut (Bild zur Vergrösserung anklicken)

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